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Eiirenberg
VI.
Vom Zahnsysteme der Räderthiere und dessen Werthe für
Systematik.
Als ich den ersten Vortrag über die Resultate meiner Beobachtungender Structur der Infusorien zu halten die Ehre hatte, sprach ich vom Kau-organe einiger Formen der Räderthiere und gab auch eine Abbildung derbeiden mehrzahnigen Kiefer der Hydaüna senta. Später habe ich dieseOrgane mit weit gröfserer Bestimmtheit und Klarheit ausmitteln und ver-folgen können und den Anfang der Resultate konnte ich schon pag. 107meiner ersten Abhandlung in der Note nachträglich mittheilen. Durch wie-derholte Prüfung aller vorgekommenen Gattungen der Räderthiere ist es mirjetzt möglich geworden, eine Übersicht über das Verhalten der Kauorganebei den Hauptformen der ganzen Klasse zu gewinnen, von der ich um somehr hoffe, dafs die Akademie sie freundlich aufnehmen werde, je mehr ihreDarstellung dazu beitragen wird, alle die falschen Ideen von Einfachheit derkleinen Thiere mit ihrer Wurzel auszurotten und eine überraschende Kraftin deren Organismus nachzuweisen und festzustellen.
Ich hatte schon früher ausgemittelt, dafs der Schlundkopf der Infuso-rien, welcher eine fast kugliche, aber doch etwas eckige Form zu habenpflegt, aus vier einander in Kreuzform gegenüberstehenden halbkuglichenMuskelparthieen besteht, die sich während seiner lebhaften Bewegungen deut-lich erkennen lassen. Diesen Character habe ich bei allen seitdem beob-achteten, d. i. allen bekannten Formen bestätigt, nur bei einigen wenigenvermifst. In zweien dieser vier Muskeln befinden sich überall zwei gegen-überstehende Kauorgane, welche sich so deutlich als gezahnte Kiefer zu er-kennen geben, dafs darüber kein Zweifel mehr sein kann. Ich fand beiUntersuchung dieser Organe eine Zeitlang eine gewisse Schwierigkeit in derdeutlichen Darstellung jener gezahnten Kiefer und konnte mich über ihreeigenthümliche Structur nur bei einigen wenigen gröfseren Formen und auchbei ihnen nie ganz vollständig belehren. Um diesen Zweck besser zu errei-chen sann ich auf einen kleinen sehr scharfen Druckapparat mit zwei geschlif-fenen Glasplättchen, bei dessen willkührlich zu verstärkendem Drucke we-der gleichzeitig eine Verschiebung statt fände, noch auch die Elasticität des