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Ehrenbekg: Beitrag zur ErJcenntnifs grofser Organisation
Wesen begründet, und das Aufstellen eines Einheitsprincips der organischenNatur dürfte auf diesem W T ege den Dank der Mehrheit nie verdienen. Dennüberall erscheint die Form untergeordnet einem inneren Wesen, welchessie vielfach zu wechseln fähig ist, und wenn alle Formen sich auf 3 Dimen-sionen der Länge, Breite und Dicke reduciren und mithin Linien, Flächenund Kugeln als Grundformen erscheinen, so finden wir auch überall in derorganischen Natur ein Auftreten der Organismen in all diesen Formen, un-beschadet ihrer anerkannt wesentlicheren, sehr verschiedenen Charaktere,und selbst das Vorherrschende der einzelnen Hauptdimensionen wird zurNebensache, wenn wir gröfsere Gruppen der sich vei’wandten Organismenbetrachten ( 1 ). Dafs der Anfang aller Organisation ein Infusorium sei und
(') So giebt es ja bekanntlich in allen Abtheilungen des Thierreichs lange, kurze undbreite Formen. Spulwürmer, Doppellöcher und Blasenwürmer; Gespenstheuschrecken, Blatt-heuschrecken und Gryllen; Aaie, Schollen und Kugelfische; Schlangen, Schildkröten und Krö-ten; Reiher, Gänse und Eulen; Wiesel, Vampir und Igel mögen als nahe liegende Beispieledes Langen, Breiten und Gerundeten angeführt sein. Wollte jemand, wie Ähnliches freilichbereits in Schriften vorliegt, Spulwürmer, Aale, Schlangen, Reiher und Wiesel, weil siesämtlich lang sind, als Entwicklungsstufen einer und derselben Grundform vom Wurme biszum Säugthiere ansehen, so würde ein solches Verfahren wohl spashafte Combinationen er-zeugen, aber wenigstens nicht im wissenschaftlichen Ernste gebilligt werden können, da nichthlofs die Gattungen der Klassen, sondern sogar die Speeles der Gattungen der Organismen,wenn wir sie nach Ähnlichkeit der Gesamtstructur überblicken, in diesen Dimensions- undForm Verhältnissen variiren, so dafs diese häufig nur Specialcharaktere bilden. Oft sogar durch-laufen die verschiedenen Alterszustände eines und desselben Individuums jene Formen baldvom Runden zum Langen, wie heim Reiher , Wiesel und Menschen; bald umgekehrt, wie beider Kröte, deren schlanke Larve einem Fischchen gleicht, und bei den Raupen der Insecten.
Auch ist es ein schon öfter angezeigter Irrthum, wenn man den Embryonen der. Säug-thiere eine innere Structurähnlichkeit mit Würmern zuschreiht, da die rudimentäre Ausbil-dung der kleineren Thiere, wie man sie sich früher dachte, durch gegenwärtige Untersuchun-gen ebenfalls in einem grofsen Bereiche als ungegründet erwiesen wird und bei vielen an-dern nur noch der genaueren Beobachtung ermangelt, um wohl dasselbe Schicksal zu er-fahren. Wir haben zwar ein Recht, den Menschen zum Maafsstah der harmonischen undgeistigen Entwicklung des Organischen zu nehmen und so Ihm alle übrigen Organismen un-terzuordnen, aber in körperlicher Entwicklung überragen ihn viele Thiere, und diese Vor-züge als Mängel darzustellen, ist wenigstens Sophismus und nicht recht würdig. Das herz-lose Gefäfssystem der Würmer ist anders als das centrale der Säugthiere, kann aber durch-aus nicht als eine Ilemmungsbildung angesehen werden, indem nie ein Säugthier ^Embryowirklich ein vollendetes, irgend einem Wurme ähnliches Gefäfssystem zeigt, sondern immernur ein unvollendetes der Säugthiere, und zwar nur seiner bestimmten Species. Ebenso sinddie Flügel der Vögel anders als die Arme der Menschen. Jedes erscheint zweckmäfsig und