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2 (1832) Zur Erkenntniss der Organisation in der Richtung des kleinsten Raumes / von C. G. Ehrenberg
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in der Richtung des kleinsten Raumes.

Pilzen und Algen gezogen, und es kommen sowohl in feuchter Erde, an derLuft, als im Wasser verhältnifsmäfsig nur noch sehr wenige bei uns vor, dienicht schon verzeichnet und benannt wären. Dafs aber auch diese Körperchennicht die Repräsentanten der niedrigsten organischen Structur sind, lehrtihre Beobachtung; denn mit jedem Jahre und mit jeder neuen, geschärfte-ren Untersuchung wird immer mehr Organisches an und in einigen ihrerFormen unterschieden, so dafs es gewagt erscheint, mit ihnen, deren De-tails ganz offenbar sich der Kraft unserer Sinne durch ihre Kleinheit undDurchsichtigkeit entziehen, eine so wichtige und einflufsreiche Behauptung,als die wahrnehmbare Grenze der organischen Natur, man möchte sagen dasEnde des Unendlichen ist, zu beweisen und damit mehr festzustellen, alsdafs unsere optischen Instrumente noch nicht ausreichen, ihrenOrganismus vollständig zu erkennen. Viele Beobachter haben auchtodte, ganze und sehr langsam kriechende kleine Thiere für unbeweglicheKörper dieser Art gehalten, und viele andere unterscheiden hygroskopischeund Entwicklungsbewegungen zarter Pflanzenkeime nicht scharf genug. Alleletztere gehören zu den unwillkührlichen, zwecklosen, unfreien Bewegungen,existiren allerdings, sind aber anders, als man häufig gethan, zu erklären (*).

(') Zu diesen oft und immer wieder gemifsbrauchten Bewegungs - Erscheinungen gehörtbesonders das sich krümmen, .winden und drehen mehrerer Algensaamen zur Zeit ihres Rei-fens und Hervortretens aus dem Fruchtbehälter, welches schon Buffon und Needham zusehr folgereichen Verirrungen verleitet hat und welches noch immer fortfährt, die Verwir-rung der Pflanzen- und Thierformen in dem mikroskopischen Kreise zu begünstigen. Mögenun das Eindringen des fremdartigen Wassers in den zur Zeit der Reife aufspringendenFruchtbehälter oder der eigene Reifungsprocefs die Bewegung dieser Saamen bedingen, sosind sie, meinen vielfachen Beobachtungen zufolge, doch ganz verschieden von den thierischenBewegungen. Sie fehlen vor der Reife, sind am stärksten beim Hervortreten der Körnerin das neue Medium nnd nehmen sehr bald allmälig ab. In einem Uhrglase sieht man leicht,dafs nach Verlauf einiger Stunden sich diese Saamen zu Boden setzen und ruhig liegen.Nach Verlauf von 6 Stunden sah ich wiederholt,' dafs einige sich verlängert und deutlich ge-keimt hatten, also schön ganz in den Vegetationscharakter der Mutter übergegangen waren.In solchen Fällen ist nicht an eine Verwandlung von Infusorien in Vegetäbilien, oder vonÜbergang der Algen in Infusorien zu denken, sondern diese Saamen sind immer Saamen ge-blieben und nie Infusorien geworden, so viel sie sich auch gedreht und bewegt haben mö-gen. Ich habe oft versucht, bei Saprolegnien, die zum Theil sehr grofse so bewegte Saa­ men enthalten uiid durch'eine - vordere runde Öffnung entleeren, diese scheinbaren Thierezur Aufnahme gefärbter Nahrung zu bringen. Es gelang nie, obwohl ich mir unendlicheMühe im Variiren der Umstände gab. Die Bewegungen derThiere haben den Zweck