Buch 
2 (1832) Zur Erkenntniss der Organisation in der Richtung des kleinsten Raumes / von C. G. Ehrenberg
Entstehung
Seite
52
JPEG-Download
 

52

Ehrenberg: Beitrag zur Erkenntnifs grofser Organisation

Diefs sind die Gründe, warum ich den Infusorien Nerven, nicht hy-pothetisch, sondern erfahrungsgemäfs zuschreiben zu können mich fürberechtigt halte.

Somit wären denn bei den Infusorien, als den kleinsten Körpern,welche der menschliche Gesichtsinn überhaupt zu erreichen vermag, alle dieSysteme der Organisation, welche den Organismus des Menschen begründen,nicht rudimentarisch, sondern theils augenscheinlich, theils mit der gröfstenWahrscheinlichkeit ebenso in sich vollendet, nur in andere Formen gestaltet,aufgefunden und die thierische Organisation auf eine beim Menschen unddem Räderthiere, ja der polygastrischen Monade gleiche Summe, einen ein-zigen durchgreifenden Typus gewiesen. Wenn ich aber von Unendlichkeitder Organisation im kleinsten Raume gesprochen habe, so war das nicht eineleere oder gewagte philosophische Speculation, sondern darin fest begründet,dafs ich, der scharfen Beobachtung, welche obige bisher unbekannte Re-sultate lieferte, ungeachtet, kein Ende ersehen konnte.

Wenn andere da, wo diese Beobachtungen aufhören, an der Grenzeder Sehkraft, den Anfang eines neuen, einfacheren Reiches der Urmateriestatuiren wollen, so tritt diese Thätigkeit, so weit bis jetzt unsere Prüfungs-mittel reichen, heraus aus den Grenzen der Naturforschung in die der prü-fungslosen Speculation und Poesie, die manchmal von einer grofsen indivi-duellen Geistesgewandtheit zeugen und einen unterhaltenden Überblick gewäh-ren kann, von welcher ich mich aber gegenwärtig eben zurückziehen wollte,um nur das wissenschaftlich Begründete klar hervortreten zu lassen.

Ich theile noch in vorliegenden 86 Blättern die Zeichnungen und dieBeschreibungen von eben so viel von mir bisher noch nicht verzeichneten Infu-sorien mit, welche die fortgesetzte Beobachtung an mich abgegeben hat ( 1 ). (*)

(*) Die physiologisch interessanteren Formen sind auf den beigehenden 11 Tafeln ge-stochen worden und ich habe für wissenschaftlich vorteilhaft gehalten, auch alle die spätervon mir entdeckten Formen sogleich hier einzuschalten. Die Gesamtzahl beläuft sich da-durch nun auf 110 Arten.