Buch 
2 (1832) Zur Erkenntniss der Organisation in der Richtung des kleinsten Raumes / von C. G. Ehrenberg
Entstehung
Seite
57
JPEG-Download
 

57

in der Richtung des kleinsten Raumes.

von der Mitte des Stirnrandes nach der seitlichen Panzermitte verlaufend und hier sicherweiternd angeheftet. Eben so viel hintere Seitenmuskeln von der Schwanzbasis zuderselben Insertionsfläche der vorderen gerichtet. Zwei lange cylindrische Schwanz-muskeln für die Zangenbewegung. Dicht hinter dem rothen Auge ein starker, fast ku-gelförmiger Schlundkopf mit 2 fünfzahnigen Kiefern und Schlundfalten. Ein kurzer, en-ger Schlund, ein einfach eingeschnürter Darm, 2 kurze und breite, zangenförmige Darm-drüsen, Eierstock, contractile Saamenblase und 2 seitliche, fadenförmige Hoden liefsensich unterscheiden. Yiele Individuen trugen an der Schwanzbasis auf der Rückenseite1-4 Eier mit sich. Die Jungen im Ei waren zum Theil schon ganz entwickelt undden Alten gleich, sobald sie aus der Schaale krochen. Körperlänge -g /w , Eilänge j-"'.

Bei Contraction sah ich am Stirnrande noch einige sonst versteckte krumme Borstenoder Wimpern. Ein Individuum war noch während seines Lebens mit Monadenerfüllt, welche mithin wahre Entozoen vorstellten, Infusorien in Infusorien.

Ich habe diefs Thierchen über einen Monat lang in Berlin im Ostseewasser lebenderhalten und es pflanzte sich kräftig fort.

7. Brachiontjs poljacantlius N. sp. Dorniges Räder thierchen.

B. testa subquadrata, antice attenuata, glabra, utrinque cornuta, frontis cornubus4, menti dentibus 6, cornubus caudalibus 5; lateralibus caudae cornubus di-midia testa longioribus, rectis.

Am 7. Juni 1832 im Wasser des Plötzensees bei Berlin entdecke

Diese Form mag wohl oft mit Brachionus Bakeri verwechselt worden sein. Schaaleohne die Stacheln so lang als breit, vorn etwas schmäler als hinten, Seiten flach ge-wölbt, vorn und hinten mit 15 Hörnchen und Zähnen besetzt. Der Stirnrand hat 4grofse Hörnchen, deren 2 mittlere genähert und fast gerade, deren 2 seitliche aber ab-stehend und nach aufsen gebogen sind. Der Kinnrand hat 6 Zähne, zu 3 seitlich ge-stellt während die Mitte glatt ist. Die äufsersten Zähne sind die gröfsten. Am Hin-tertheile des Panzers gehen die beiden Ecken in 2 sehr lange, gerade Stacheln aus, dieetwa \ der Panzerlänge haben und zwischen beiden, an der Schwanzröhre, befindensich 3 kürzere Hörnchen, ein oberes, 2 untere. Yon der Seite gesehen ist der Panzeretwas zusammengedrückt, jedoch dick und am Rücken gewölbt. Die Bauchseite ist flach.

Das Räderorgan zeigt deutlich 2 seitliche Räder und nur einen mittleren abgerun-deten Stirntheil mit 4 Borsten. Aus jedem Rade ragt in der Mitte ein Griffel hervor,der auf einer kurzen conischen Warze sitzt. Am Grunde des mittleren Stirntheils ragtzwischen den mittleren Stirnhörnchen ein kurzer, stumpfer Sporn (Respirationsrohre?)hervor. Der bewegliche Zangenfufs (Schwanz) ist dreigliedrig, mit etwas dickeren Ge-lenken und sehr kleiner Zange. Ein anhängendes Ei wurde an der Schwanzbasis aufder Rückenseite getragen.

Yon inneren Organen erkannte ich deutlich die Muskeln des Räderorgans und zwi-schen ihnen einen gröfseren, abgerundeten Hirnknoten mit grofsem rothen Nackenaugeam Ende. Yom Räderorgane gingen jederseits 2 bandförmige, parallele, vordere Bauch-

H