90
Ehrenberg: Beitrag zur Erkenntnifs großer Organisation
Der Form und Gröfse nach ist diese Art der Paramecium Aurelia sehr ähnlich,allein sie ist weifser von Farbe und hat den Charakter der Gattung Bursaria, nämlichdie Analöffnung am hintern Ende des Körpers und keinen Rüssel am untern Munde.Von der zunächst verwandten Bursaria Pupa, die ich am 7. Mai 1832 auch bei Ber lin gefunden und mit Naviculis angefüllt sah, unterscheidet sie sich durch gröfsere, mehrcylindrische Form und weniger nah am vordem Ende stehenden Mund. Bursaria ver-nalis hat den Mund noch weiter gegen die Bauchmitte hin stehend und hat den Kör-per mit grünen Körnchen (Eiern?) durchwebt.
Der Körper ist 2 und imal länger als dick, länglich eiförmig, fast walzenförmig,an beiden Enden stark, fast gleichartig, abgerundet, überall mit Längsreihen von Wim-pern besetzt. Der Mund bildet eine längliche, nach hinten spitzere Grube. Der vor-dere Mundrand wird etwa vom 5 ,en bis 6 tcn Theile des Körpers überragt, der an der Stirn,wie bei Nassula, einen den Mund überragenden Höcker bildet, welcher die cylindrischeForm verlängert. Die Mundwimpern sind nicht länger als die übrigen. Über dem Munde,gegen den Rücken hin, liegt eine grofse, contractile, innere Blase, die ich auch stern-förmig sah. Übrigens ist der Körper mit verstreuten, nicht sehr hellen Magenblasen er-füllt. Sehr merkwürdig war mir das Yerhältnifs der natürlichen Nahrungsstoffe diesesThieres zu seinem Körper. Ich sah nämlich mehrere Individuen, welche Oscillatorien-fragmente verschluckt hatten und im Leibe bei sich trugen. Die weifse Farbe des Kör-pers und das lebhafte Grün der Oscillatorien contrastirte sehr hübsch und auffallend.Das merkwürdigste dabei war, dafs ein Individuum eine noch einmal so lange Oscilla-torie im innern Leibe bei sich trug, als es selbst war. Ich habe mich dabei wiederüberzeugt, dafs auch in diesen Fällen die Oscillatorie einen einzelnen Magen zur dop-pelten Länge des Thieres ausgedehnt hatte, indem sie mit ihm beide Körperseiten cin-nahm. In anderen kleineren Magen , sah ich mehrere Fragmente von derselben Oscilla-torie beisammen in einer hellen Flüssigkeit liegen. Diefs schienen verdaute Theile zu sein.Über Ähnliches werde ich bei B. vernalis noch umständlicher berichten. — Körper-lange Jj'", Mundlänge fast \ der Körperlänge.
Ich fand auch ein Individuum in ungleicher Längstheilung begriffen.
10. Bursaria spirigera N. sp .! Spiralmündiges Börsenthierchen.
B. virescens, corpore ovato, depresso, undique ciliato, antica oblique truncato,longius ciliato, oris apertura spirali.
Zuerst am 14. und wieder am 15. Juni 1832 zwischen Conferven im Thiergartenbei Berlin beobachtet, dann nochmals am 2: September desselben Jahres ebenda gefunden.
Diese Form gehört zu den gröfseren Magenthierchen und hat viel Eigenthümlichesin ihrer Structur. Im Schwimmen wird man sie immer leicht mit Bursaria vernalis,SterUor polymorphus, oder auch mit Leucophrys palula verwechseln. Der eiförmigeKörper ist nicht gerundet, sondern etwas flach und vorn schief abgestutzt. Die ganzeKörperbildung stimmt mehr mit Bursaria truncatella und B. Vorlicella als den übri-gen Börsenthierchen überein. Zu den Eigenthümlichkeiten gehört auch, dafs die Anal -