110 E h r e n ß e fi<!: Beitrag zur Erkenntnifs großer Organisation
Diese Form ist 3 mal so grofs als die gröfsten Individuen der Monas ( Chlamido -monas ) Pulvisculus und in ihren Bewegungen noch träger. Der Körper ist eiförmigoder länglich, hinten und vorn fast gleichartig stark abgerundet. Vorn ist eine einsei-tig vertiefte, hellere Mundstelle, während der übrige Körper von gesättigt grüner Farbeist. An der helleren Stelle vorn sieht man im gefärbten Wasser einen deutlichen Wir-bel. Ich glaubte an der Bewegung eine Mehrzahl von Wimpern daselbst zu erkennen.Im Innern einiger Individuen sah ich grofse dunkelgrüne Körper, die ich für verschlun-gene Monaden von geringerer Gröfse hielt. — Gröfster Durchmesser (Länge)
Ich bemerke hierbei, dafs durch meine neueren Beobachtungen an Formen der Gat-tung Monas sich nichts für die Physiologie der Gattung einflufsreiches weiter hat er-mitteln lassen. Nur habe ich mich überzeugt, dafs Monas Pulvisculus von den übri-gen Formen der Gattung abgesondert werden mufs, weil es sich nicht durch einfacheQueertheilung mit äufserer Abschnürung fortpflanzt, sondern mit dem Alter eine äufserehäutige Hülle erkennen läfst, unter welcher es sich in 2 bis 4 Theile theilt und diedann berstet. Ich habe ferner an ihr ein rothes Auge bemerkt und mich überzeugt,dafs ihr Wirbeln am Vordertheile nicht durch Wimpern, sondern durch einen fadenför-migen Rüssel hervorgebracht wird. Diese vielfachen, wichtigen Charaktere haben michveranlafst, aus dieser Form eine besondere neue Gattung unter dem Namen Chlamido-monas zu bilden.
34. Navicula, Surirella, amphisbaena Turpin. Zweischncibliges Schiffchen.
N. corpore striato, recto, fusco, a dorso ventreque lineari, elongato-quadrato, truti-cato, a latere medio turgido, utroque fine papilla rotundata pellucida rostrato.
Die ersten Exemplare habe ich schon vor vielen Jahren beobachtet, aber immerfür Varietäten der Nav. fulva gebalten, wofür sie wohl auch der würdige Nitzschnach Fig. 18, Tafel III seiner Abbildungen genommen hatte, die für meine Form etwaszu gestreckt ist. Eben so urtheilte ich in den Jahren 1830 und 1831. Erst am 19.Mai 1832 fand ich sie bei Berlin in grofser Menge in den verschiedensten Gröfsen undganz abgesondert von Nav. Julva, so dafs kein Zweifel darüber übrig blieb, dafs beideFormen zu einem und demselben Entwicklungskreise nicht gehörten.
Jedes deutlich und rasch bewegte Thierchen besteht aus 2 vierseitigen, gestreiftenSchaalen, deren 3 Seiten flach, eine in der Mitte convex und erweitert, an den En-den aber ebenfalls flach und verengt ist. Mit der der convexen Seite entgegengesetztenflachen, offenen Seite sind beide Schaalen so fest aneinander geheftet, dafs sie nur ge-waltsam i getrennt werden können. Beide Schaalen bilden ein vierseitig prismatischesThier-Individuum, welches 2 flache Seiten und 2 in der Mitte convexe und erweiterte,an den Enden aber wieder verengte Seiten hat. Ist die convexe Seite einer der Schaa-len dem beobachtenden Auge zugewendet, so erscheint der Körper wie ein linienför-miges, viereckiges, längliches Stäbchen mit geraden, parallelen Seiten und gerad abge-stutzten Enden, wie Navicula viridis, und ist 4-6maI länger als breit; ist aber eineder flachen Seiten zugewendet, so bewirken die beiden von der Seite sichtbar werden-