Buch 
Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
Entstehung
JPEG-Download
 

Faͤhnlein/ oder ſonſt eine Stell in der Leib⸗Oompagnie des Hertzogen ſeines Her-ren Vatters anerbietend. Ich er wehlte dieſes letztere/ mich hoͤchlich erfreuend un-der dem Grafen von Guiche, nunmehro Marchal von Grammont gedachter Com-pagnie Hauptman/ zu dienen. Meine groſſe Reißbegierigkeit wolte nicht zulaſ-ſen/ mich lang zu Mantua aufzuhalten: Weilen aber die Kaͤyſeriſchen die Stattbelagert hatten/ war ich willens vor meiner Reiß den Außgang des Kriegs zuerwarten. Der Feind wurde endlich gezwungen die Belaͤgerung auffzuheben/ undz war auff einen Weyhenachts Abend: Bey anbrechendem Tag wur den etlicheee zu erkundigen/ ob keine hinderliſt vorhanden/ vnd ſie ſich gaͤntzlich zu-ruck gezogen. iDie Belaͤgerung waͤhrete nicht lang/ es gieng auch nichts merckwuͤrdigesbey derſelben vor/ ſo da einem jungen Soldaten zum underꝛicht haͤtte dienen koͤn-nen. Ich will alhier nur diß kurtzlich melden/ nach dem auf einen gewiſſen Tag18. Mann commandirt worden/ die breite und hoͤhe des Grabens/ welchen derFeind in abſtechung eines Dams/ zu verthaͤdigung einer uns hinweggenom-menen kleinen Schaͤntz/ gemacht hatte/ zu erforſchen/ und als acht Reuter vonunſerer Compagnie zu dieſer zahl gerechnet wurden/ erhielt ich vom Printzen mitgroſſer mühe/ einer von den achten zu ſeyn: wobey er mir auß guͤtigkeit in geheimgeoffenbahret/ daß es heiß dabey hergehen wurde: wie es dann in warheit ge-ſchahe: geſtalten von den is ſo außgegangen/ nur J. wieder zu ruck kamen: Wirſchlichen dem Dam̃ nach/ zwiſchen dem Rohr hin/ und ſo bald wir uns auf derhoͤhe des Grabens ſehen lieſſen/ gab der Feind ſo ſtarck Feuer auff uns/ daß wirkaum die zeit hatten uns ſelbſten zu erkennen. Ich hatte mir zu allem Gluͤck indem Seugbauß einen leichten Harniſch von gutem Zeug außerleſen/ welcher mirdas Leben erꝛettet: maſſen ich von zwo Kugeln/ deren die eine mir auff die linckeBruſt/ die andere aber gerad drunder gienge/ getroffen worden/ dergeſtalten daßſich das Eiſen an beyden orten eyngebogen. Der eine Schuß an der Bruſtſchmertzte mich hefftig/ und da wir deß jenigen/ ſo wir verꝛichtet rechenſchafft ga-ben/ nahm der Graff von Guiche meinen guten Harniſch in acht/ ließ jhn auß-putzen/ und verwahrte ihn dergeſtalt/ daß mir ſolther nach diſem nicht mehr underAugen komen. Wenig zeit hernach erhielt ich meinen Abſchiid/ welchen mir derPrintz nach meinem belieben zugeben verſprochen/ nebens einem freyen Geleits-Brieff/ Krafft deſſen. oder 6. Reuter mit mir zu Venedig ſicher ankamen/ alwoich ſie verlaſſen. Von Venedig begab ich mich auf Loretto/ von Loretto auf Rom/von Rom auf Neapolis/ von daten ich meinen weg wider zuruck auf Rom nahm/mich alda ohngefehr 10. oder 12 tage aufhaltend. Dieſem nach beſiehtigte ich Flo-rentz/ Piſa/ Ligurnen und Genua/ alwo ich mich zu Schiff begab/ in willens nachMar ſilien zu ſeglen. Was das uͤbrige von Italien anbelangt/ hab ich gele-genheit gehabt/ ſolches auf anderen gethanen Reiſen zu beſehen/ darum wil ich vordiß mahlen diſes außbuͤndig ſchoͤ ne Land und ſeine vortreffliche Staͤtte ſtillſchwei-gend voͤrbey gehen/ weilen ſchon ſehr viel andere jhre Federn daruͤber geſpitzt.

Von SMarſilien verfuͤgte ich mich nach Paris/ alwo ich mich eine geringe zeitauffhielte/ und weilen ieh ein groß verlangen trug das Königreich Polen zubeſich-tigen/ nahm ich meine Reiß durch die Sch weitz wider in Teutſchland/ nach dem ichzuvor die vornehmſte Oerter der Eydgnoßſchafft beſchaut hatte. Ich fuhre denRhein hinunter auff Breyſach/ von dar auf Straßburg: nachgehends begab ichmich widerum etwas zuruck in Schwaben/ durch Vlm und Augſpurg auf Muͤn-chen. Alda beſahe ich den herꝛlichen Pallaſt des Hertzogs von Baͤyern/ welchenWilhelm der Fünfte angefangen/ und Naximiltan ſein Sohn bey den gefaͤhrlich-ſten Kriegs/ laufften/ ſo Teutſchland beunruhigten/ verfertiget hat.Von Nuͤnchen kam ich zum zweyten mahl zu Nuͤrenberg und Prag an/von dannen verließ ich Boͤhmen/ und gieng in Schleſien/ ſette mich uͤber die Oderauf Breßlau. Von Breßlau richtete ich meine Reiß auff Krackau/ eine von den

ö groͤſten