Band 
[Erster Band.]
Seite
11
JPEG-Download
 

11

Der ganze ruhige Niederschlag der Steinkohlenablagerung hat schon die älteren Naturfor-scher zu der richtigen Ansicht geführt, dass es kein Treibholz seyn könne, von dem wohl nie ganzunversehrte Stämme mit allen Aesten und Blättern, noch weniger kleinere Pflanzen ohne alle Be-schädigung; in ihren feinsten Theilen, an ferne Gestade getrieben zu werden pflegen. Sie Hessen sich jedoch hiedurch zu einem andern Irrthum verleiten, die analoge meistens unter den bekanntenPflanzen aufzusuchen. Scheuchzer gab hierzu den Anlass, indem er bei seinen Abdrücken dasSynonym von Kaspar Bauhin anzuführen pflegte* Volkmann folgte seinem Beispiel, underklärte verschiedene Abdrücke aus den schlesischen Steinkohlengruben für Blatter von Dolden,Nigell a, Galium, Buxus u. s. W., die unfehlbar Farrenkräuter, oder sonst unbekannte Pflan-zen sind 27 >

Einige Abdrücke, für die sich schlechterdings nichts Analoges nachweisen liess, erklärte manfür unbekannt, ohne die Idee zu berühren, dass unter ganz verschiedenen Verhältnissen der Erdober-fläche wohl auch eine andere Temperatur , folglich eine verschiedene Vegetation] statt haben konnte.

Selbst in der neuesten Zeit war man noch geneigt, die Pflanzenabdrücke für gewöhnliche Pflan-zen der Umgegend zu halten; man bestimmte Stängel von schilfartigen Pflanzen für Arundeepygejos, wirtelförmige Blätter für Eqiiisetum palustre, sylvatieum, Galium, ohneeine Blüthe oder einen Befruchtungstheil gesehen zu haben» Ein Botaniker würde es nicht Wagen,eine lebende Pflanze nach solchen Merkmalen der Art nach zu bestimmen. Herr von Schlot-heim , in einer Abhandlung über die Naturgeschichte der Versteinerungen in geognostischer Hin-sicht, behauptet, dass alle Pflanzenabdrücke, die ihm zu Gesicht gekommen wären, durchaus dienämlichen seyen, und zu Gattungen gehören, die gegenwärtig in mittäglichen Gegenden gefundenWerden. Die erste dieser Behauptungen ist, in Rücksicht von Europa , von dem allein wir die Ab-'driicke bestimmter kennen, ganz richtig; die zweite können wir aber nur mit Einschränkung zuge-hen, da .mehrere Formen : der fossilen Pflanzen so fremd und so sehr vbn allem, was wir kennen,abweichend erscheinen, dass man sie kaum in eine bekannte Familie, geschweige denn in eineGattung unterzubringen vermag.

Die Mannsbacher Kohlenschiefer gehören sowohl wegen der Aehnliclikeit des Schiefers mitjenem der Steinkohle, als wegen der übereinstimmenden Vegetation, in die. Epoche der Steinkoh-lenformation.

Die mit und neben der Steinkohlenformation fortlaufende Brauneisensteinformation scheinetzu eben dieser Vegetationsepoche zu gehören; auch in dieser finden sich, wenn auch seltener,Pflanzenabdrücke. In der Sammlung des Hrn. Faujas de St. Fond in Paris sah ich aufBrauneisenstein aus England eben dieselben Blätter einer Pteris oder Osmunda, die öftersbei der Steinkohle vorzukömmen pflegen, abgedrückt. Nahe an die Steinkohlenformation rei-het sich die Ablagerung der Braunkohle, die ganz in die Epoche der Aufschwemmung zu ge-hören scheint. Der Cyclus dieser Epoche mag sehr lange gedauert haben, wie man aus dentiefen Einschnitten abnehmen kann, die sich die Flüsse durch harte Felsmassen bahnen mussten,um ihr gegenwärtiges Niveau zu erreichen, das die Austrocknung der Landseen bewirkt hat.

Wenn daher der Mineralog alles brennbare, bituminöse, fossile Holz als verschiedene Ar-ten von drei Gattungen unterzubringen vermag, so wird vielleicht auch der Botaniker bei ge-nauerer Untersuchung nicht nur die Vegetation der Braunkohle von jener der Steinkohle, son-dern selbst bei verschiedenen Ablagerungen des fossilen Brennstoffs zu unterscheiden vermögen.

Die Braunkohle, bei der sich die Holzfaser erhalten hat, zeiget durchaus stärkere Stäm-me; 28 > die Abdrücke der. Bl,älter, wenn auch nicht bekannt, deuten auf Dycotyledone. . DieAblagerungen sind noch mächtiger, als jene der Steinkohle; die Vegetation scheinet schon von,ei-nem grösseren Continent zu zeigen. Das Vorkommen der Braunkohle ist aber sehr abweichend.In Böhmen läuft diese Formation parallel mit jener der Steinkohle, von Zwoda, Falkenau, Ell-bogen, vorzüglich am linken Ufer d.es Egerflusses, bis nach Post eiberg; nur selten tritt selbe aufdem rechten Ufer gegen Süden tiefer in das Land, wie bei Zwogetin auf der Herrschaft Wol-leschna. Bei Posteiberg sieht man sie. am rechten Ufer des Flusses ausbeissen. Von hier auwird sie durch die Flötztrappformation unterbrochen, und theilweise nach Nordost gedräugt. Ein Zugfolget dem nördlichen Urschiefergebirg durch die Herrschaften Rothenhaus und Neudorf überJohnsdorf nach Oberleutensdorf; ein zweiter ziehet sich über Brüx, Bilin , Sehwatz,

<2?) y olkmann Silesia subterrahed 110. u. 129. T. XII. XIII. Xy ,

28) Zu Putzberg , 1 1J2 Stunden von Bonn , werden Stamme von 11*2 Schuh im

Durchmesser gefunden, Nogerath am angef, O. p. 54 . , '

*

3