Band 
[Erster Band.]
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ungelieuern Cactusstamm, zur lüesenförmigen Agave oder Yucca erheben können, wennwir in den ellenbreiten Abdrücken von Farrenkräutern, in den Gruben zu St. Ingbert , einenunliiugbaren Beweis für die gigantische Bildung antediluvianischer Farren finden? Oder solltedie Erde, in jenen schöpferischen, lebenskräftigen Epochen nicht die riesengrofsen Formenjener Pflanzengruppen haben erzeugen können, da sie doch jetzt noch den ungeheuren Stammeiner unbeschriebenen Pourretia in den Wäldern von Rio de St. Francisco fafsförmig,

«0 Fufs in die Höhe, und 30 Fufs in die Breite auszudehnen sich gefällt? Sind die Stämmevon Jubüa, mehrere Arten von Jriarteen, sind die mächtigen Adansonien nicht redendeBeweise von einer phantastischen Bildungskraft unseres Planeten noch bis auf den heutigenTag? Und sollte sich in jener geburtsschwer bewegten Zeit, das Grofse , Ungeheure, nichtviel leichter aus dem Schofse der gebährenden Elemente entwickelt haben, als jetzt? etc.Dafs noch jetzt gigantische Cactusstämme in Brasilien Vorkommen, davon werden wirdurch die Schilderungen des Prinzen von Neuwied , so wie über die Art ihres Vorkom-mens unterrichtet. 34 )

Da wo Catinga 33 ) war, erzählt er, beobachteten wir oft kolossale Stämme vonvier bis fünfeckigen Cactus, unter andern einen derselben, der 50 60 Fufs hoch zwischenallen andern Waldbäumen hinaufgewachsen war, und über 2 Fufs im Durchmesser hielt.Auch andere Arten dieses sonderbaren Pflanzengeschlechtes werden oft bedeutend hoch mdiesen Tropenwäldern gefunden, z. B. der hier sehr gemeine Cactus brasilianus.

Der Wald von Barra da Vereda gehört, wie alle W r älder in diesen hohem Gegenden,nicht mehr zu den hohen Urwäldern, sondern ist Catinga, jedoch von der höhern Art.>liier blühten am Rande der W älder Bäume von 20 bis 30 Fufs Höhe aus der Synge-ncsie; Streifen von Wald wechseln mit Wiesen ab, und Lagoas ziehen sich in die Tiefederselben hinauf. Unter manchen neuen Gegenständen, die hier unsere Aufmerksamkeit aufsich zogen, nenne ich die einzeln, überall vertheilten, hohen Cactus - Stämme mit ihrenstachligen Kanten, welche oft eine bedeutende Höhe erreichen; ihr unten verholzter Stammträgt nur noch undeutlich das Gepräge der Ecken, womit ihn die Natur in früheren Zeitenbezeichnet; diefs zeigt sich sodann um so deutlicher an den, gleich Girandolen, ausgebreite-ten Zweigen, die jetzt mit ihren rundlichen Früchten überhäuft waren. Dieser Cactusscheint hexagonus oder octogonus zu seyn; er treibt am obern Ende seiner Zweigesehr grofse weisse Blumen , und die Früchte werden begierig verzehrt von einer noch unbe-schriebenen Art Papageyen.

Weder Gröfse noch Standort, noch die mit vorkommenden Pflanzen widersprechen derAioglickkcit ihres frühem Vorkommens in unserer Zone, zu jener Zeit, als die klimatischenY crhältiiissc jenen von Brasilien sich anneigten ; darum ist es jedoch noch nicht erwiesen,dafs sic wirklich unter unsern fossilen Pflanzen vorgefunden werden. Denn , wenn mitvollem Reckte Herr Prof. Rhode den Grundsatz aufstellt, dafs man unter den fossilenPflanzen keine neue Gattung annehmen könne, so lange es nicht erwiesen ist, dafs sichnicht unter den bekannten Gattungen Analoge finden; so darf man mit gleichem Recht ihmauch diesen Grundsatz zugescllcn, dafs man keine lebende Pflanze für eine Analoge derfossilen Pflanzen annehmen könne, so lange die Identität des Familien - oder Gattuno-s-Cha-rakters nicht wenigstens durch vollkommene Übereinstimmung der Organisation erwiesen ist.

34) Reise nach Brasilien von dem Prinzen Maximilian von Neuwied. 2ter Band.*p. 151 und lÖB.

35) Catinga wird eigentlich eine Grasart (Stenotaphron americanum Schrank) vonden Eingeborncn genannt, welche ganze Landstrecken überzieht, so dafs nur we-nige Bäume und Sträucher dazwischen Platz finden ; alle ähnliche Wäldchenwerden darnach Catinga genannt, wie in Teutschland ode Steppen, Haiden ,genannt werden, wenn sie auch nicht mit der gemeinen Ileidepß anze (Calunnavulgaris) bewachsen sind.

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