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8. „ Schlüsslich wird nach Vergleichung der successiveu Erscheiiiiuig der Thier-weit die Hypothese aufgestellt: dass die Atmosphäre zu der Zeit der ersten Vegetations-,, periode einen sehr grossen Antheil von Kohlensäure enthalten habe, welche sowohl zu„der kräftigen Vegetation als zu der Kohlenbildung aus den abgestorbenen Pflanzen vie-les beigetrageu habe.“ ? n ;
Uiber diese Hypothese, gleichwie über jene von Parrot, dass nebst der Kohlen-säure auch Flusspathsäure in der Atmosphäre vorhanden gewesen, und .die ; Kohleaus submarinen Pflanzen gebildet worden ist, glauben wir uns auf jene Aeusserungbeschränken zu müssen, welche die königliche Academie in Paris über die Hypo-these von Brongniart ausgesprochen hat: dass bei der Schwierigkeit■> solcher Nach-weisungen man die sinnreiche Ansicht des Verfassers auf ihrem Werthe beruhen lassenmüsse. Wir sind zwar überzeugt, dass Adolph Brongniart durch neuere Erfahrun-gen belehrt mehrere dieser Ansichten bereits geändert haben werde, wir hielten es jedochfür nothwendig, selbe zu besprechen, damit diejenigen Naturforscher, welche sich inZukunft mit den vorweltlichen Pflanzen beschäftigen werden, ohne in vielen einzelnenSchriften nachschlagen zu müssen, in unserem Werke alles beisammen finden, was zuunserer Zeit über diesen Gegenstand verhandelt wurde.
Der umfassende Plan, welchen Adolph Brongniart seinem grösseren Werkeüber die Geschichte der fossilen Pflanzen *) zum Grunde gelegt, verdient die grössteW iirdigung und Anerkennung. Wenn auch manches auf dem Standpunkt, auf welchemsich dieser Zweig der Natur - Wissenschaften befindet, dermal noch nicht erreichbarwäre, so bleibt die Anlage für alle künftige Zeiten ein nützliches Vorbild, das durchMitarbeiter und neue Erfahrungen gefördert uns einst die Vegetation der Vorwelt inden verschiedenen Zuständen der sich bildenden, Erdkruste eben so anschaulich vordie Sinne führen wird, als unsere gegenwärtigen Floren mit der geographischen Verbrei-tung ihrer Pflanzen. ; , . i •
Da wir annehmen können, dass die ersten Hefte des brongniartischen Werkes, welchebereits in mehreren Zeitschriften angezeigt worden, den Botanikern bekannt sind, so wirdhier nur dasjenige der Einleitung •wiederholt werden, was sich unmittelbar auf die Me-thode der Untersuchung, welcher der Verfasser gefolgt ist, bezieht.
Die Aufmerksamkeit wird zuerst auf die VegetationS- und Fructificationsorganegeleitet, von denen die ersteren bei Pflanzen niederer Stuffen, wo beide enge mit einanderverbunden sind, zumal bei Bestimmung fossiler Pflanzen wichtige Dienste leisten können.Bei Pflanzen höherer Stufen wären freilich die letzteren vorzuziehen, da sie aber nurhöchst selten gefunden werden, so müsse man sich hauptsächlich an die anatomischenCharactere der inneren Struktur halten, uncl wo auch diese fehlen, müsse man derForm den Ausdruck abzugewinnen suchen, welchen sie andeutet-
Die Nahrungsgefässe, welche die Stellung oft auch die Formen der Organebestimmen, wären wichtiger als das Parenchym, das sie umschliesst, die Verthei-lung der Gefässe und ihre Lage müsse uns am sichersten zur Auffindung der Ver-wandtschaften leiten. Die Wichtigkeit der Gefässvertheilung in den Pflanzen - Stäm-men ist in den zwei Klassen der Phanerogamenpflanzen allgemein arterkannt, wo je-doch diese nicht zu erkennen wäre, (das leider so wie bei den früher bespro-chenen Organen am öftersten der Fall ist), müsse man sich auf die Untersuchung deräusseren Form der Stämme beschränken, deren Ausbildung durch die Art des Zuwach-ses bedingt würde. Nach den innern Gefässen sei die Insertion der Blätter auf derOberfläche dös Stammes das Wesentlichste, flenn diese ist ebenfalls das Resultat des in-