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Über die Gestalt und die Urgeschichte der Erde : nebst davon abhängenden Erscheinungen in astronomischer, geognostischer, geographischer und physikalischer Hinsicht / von Karl Friedrich Klöden
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tonschen nicht entgegen; denn sie basirt ebenfalls aufdie Anziehung des Mondes und der Sonne; aber dieAnwendung auf die Erde ist eine andere.

Es wird hierdurch zugleich klar, warum an zwei ent,gegenstehenden Orten der Erde zugleich Fluch oder Ebbeist, welches wie bekannt bei der bisherigen Anwendungder Newtonschen Theorie, und selbst nach La Place'Sneuer Bearbeitung große Schwierigkeit hatte.

Nach der bisherigen Vorstellung nämlich wird Ebbeund Fluth durch den Mond auf folgende Weife bewirkt.

Es sei Fig. 2 die Erde, welche man sich rund ummit Wasser bedeckt denken kann; der Mond stehe in derLinie äc über dem Punkte c in der gehörigen Entfer-nung. Alsdann strebt der Mond, die Erde sich näherzu bringen, und zieht alle Punkte der Erdmasse an. Daihm c der nächste ist, so wird dieser auch am stärkstenangezogen werden. Weniger stark wird der Mittelpunkte angezogen, weil die Größe der Anziehung mit derEntfernung abnimmt, und am schwächsten der Punkt ä,der am entferntesten ist. Daher wird sich das Wasser,welches besser der Ziehkraft folgen kann, als das Feste,über c erhöhen. Es soll sich aber auch über cl erhö-hen, weil der Erdmittelpunkt stärker angezogen wird,als der Punkt ä, daher sich schneller gegen den Mondbewegt, und die feste Erdmasse bei ä, mit der er zu-sammenhängt, mitnimmt. Diese Erbmasse hat alsodieselbe Geschwindigkeit, als der Punkt e; das Wasserüber rl aber bleibt der geringeren Anziehung wegen zu-rück, weil das darunter liegende Land die Geschwindig-keit des Punktes e hat, das heißt, es entfernt sich vomMittelpunkte, und das Wasser erhebt sich daher bei c.