Buch 
Über die Gestalt und die Urgeschichte der Erde : nebst davon abhängenden Erscheinungen in astronomischer, geognostischer, geographischer und physikalischer Hinsicht / von Karl Friedrich Klöden
Entstehung
Seite
97
JPEG-Download
 

97

Wasser bei ä zurück. Sobald die Erde dem Monde nichtnäher kommt, sich nicht gegen denselben hinbewegt, kanndas nicht statt finden. Kommt denn aber die Erdedem Monde näher? Keincswegcs! Denn wenngleich die Bewegung des Mondes um die Erde, ein Fal-len desselben gegen diese ist; so nähern sich beide einan-der doch nicht, so findet doch kein Fortrücken des ge-zogenen Körpers gegen den ziehenden statt. Jene Erklä-rung läßt also nicht allein ein wichtiges Element der Be-trachtung weg; sie setzt auch etwas voraus, was nichtstatt findet, und ist um deswillen unrichtig und falsch.

Es hat zu keiner Zeit dieser Erklärung an Gegnerngefehlt; denn es wäre ja schlimm, wenn ein solcherFehlschluß unentdeckt so lange hätte fortbestehen können.Aber alles klebrige der Erscheinungen läßt sich so vor-züglich aus der Theorie erklären, daß man glaubte, sichdarüber beruhigen zu müssen, weil, wenn sie falsch wäre,unmöglich alles Andere so gut damit übereinstimmenkönnte. Ja man fing an, lieber an feiner Logik, alsan dieser Theorie zu zweifeln. Dennoch erklärten selbstaufrichtige Bewunderer derselben, und Männer, denenman nicht den Vorwurf, schwache Denker zu sein, ma-chen konnte, daß sie diese Erklärung nicht begriffen. Sosagt unter andern Parrot nachdem er die Theorieder Ebbe und Fluth vorgetragen:So herrlich schöndie Theorie der Ebbe und Fluth ist, wovon hier nurdie ersten Linien aufgezeichnet sind, so kann ich esdoch nicht verschweigen, daß der allererste Grund der-selben, die Art, wie die Sonne oder der Mond auf das

*) Grundriß der theoretischen Physik, 3ter Theil, S. 38Z.

7