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Ehe die Lagerstätte dieser Gebilde genauer unter-sucht war, begnügte man sich häufig damit, ihr Vor-kommen durch ein bloßes Anschwemmen vermittelst eineraus Süden kommenden Fluth zu erklären. Als sichspäterhin zeigte, daß eine solche Annahme unstatthaftsei, sing man an, die Aehnlichkcit der Formen mit süd-lichen Gewächsen zu bezweifeln, wohl nicht, weil manseinen Augen mißtrauet«; sondern weil man ungern seineZuflucht zu einer Achsenänderung der Erde nehmen wollte,ohne welche man das Faktum nicht erklären konnte, wieman wohl fühlte. Die schöne Idee Hrn. v. Hum-boldts, die größere Temperatur durch die Freiwerdungdes Wärmestoffs während der Niederschlage zu erklä-ren *), konnte allein nicht ausreichen, und so ist dieSache geblieben, ohne daß man recht wußte, wozuman siel) entschließen sollte. Die prciswürdigen Bemü-hungen neuerer Naturforscher in Beziehung auf die Ver«sieinerungskunde haben aber das Vorkommen südlicherOrganismen in Deutschland , als ihrem ehemaligen Va-terlande, mit Entschiedenheit dargcthan, und die Wissen-schaft fordert nunmehr eine Erklärung der Möglichkeitdieses Vorkommens, welche wir denn gegeben haben.Wenn wir nun ebenfalls zu dem schon öfter angewen-deten Mittel, der Achsenänderung-, unsere Zuflucht ge-nommen, und damit nichts Neues unternommen haben;so dürfen wir uns doch rühmen, diese Achsenänderung
Heims Petrefakt^nkunde und dieNachträge dazu, in welchem treffelichcn Werke man die Belege zu den Behauptungen finden wird.
') Die Entbindung des Wärmcstoffs als geognosttscheS Phä-nomen betrachtet, in A. v. Humboldts Versuchen über diechemische Zerlegung des Lustlreises S. i?7-