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dem nicht möglich, daß die Wirkung der Drehkraft sicherst allmälig in das Gleichgewicht mit allen übrigen Kräf-ten gesetzt habe? — Laplace hat gezeigt, daß der Mondfrüher eine ganz andere Achsendrehung gehabt haben kann,als jetzt, daß aber diese nothwendig, wie sie auch anfäng-lich gewesen sein möchte, im Laufe der Zeiten werden mußte,wie wir sie dermalen finden. Wäre denn etwas Aehnlicheöbei der Erde nicht auch denkbar?
Es giebt eben so wenig einen äußeren Grund da-für; denn die Erde hätte eine andere Achsendrehung habenkönnen, ohne daß dies aus die übrigen Weltkörper vonEinfluß gewesen wäre, da Laplace gezeigt hat, daß dieAchsendrehung von dem Umlaufe und der Einwirkung an-derer Himmelskörper durchaus unabhängig ist. Nirgendzeigt sich, daß diese Drehung mit allen übrigen Bewe-gungs - nnd Größen-Verhältnissen eines Weltkörpers sozusammen hängt, daß eine Aenderung in derselben auchnothwendig eine Aenderung in irgend einem dieser Verhält-nisse hervorbringen müßte. Man kann daher nicht be-haupten, daß die Ordnung im Weltall durch eine solcheVeränderung gestört worden wäre, und daß sie mithinschon um deswillen unwahrscheinlich sei.
Allein Laplace hat auch gezeigt, daß sich aus Ver-gleichung der ältesten astronomischen Beobachtungen mitden neueren als Resultat crgiebt, die Drehung der Erdehabe sich seit Hipparchs Zeiten bisjetzt nicht um denhundertsten Theil einer Secunde verändert.
Dies Argument, dessen Richtigkeit nur der bezweifelnkann, der von der Bündigkeit der mathematischen Unter-suchungen Laplace's keine Vorstellung hat, tritt anscheinendmeiner Ansicht mit großem Gewichte entgegen, und wird