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Über die Gestalt und die Urgeschichte der Erde : nebst davon abhängenden Erscheinungen in astronomischer, geognostischer, geographischer und physikalischer Hinsicht / von Karl Friedrich Klöden
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ohne Zweifel und nicht mit Unrecht dagegen geltend ge-macht werden. Doch ich bitte zu erwägen, daß alles wasdaraus folgt, nur für die historische Zeit gilt, und aufkeine Weise läßt sich mehr daraus folgern, als daß in dergegenwärtigen Epoche der Erde ihre Drehungögeschwin-digkeit sich nicht verändert hat.

Nun können Aenderungen aber bekanntlich auf doppelteWeise sich äußern; entweder stetig, nach irgend einem Ge-setze ununterbrochen fortschreitend, und darum in jeder Zeitbemerkbar, und durch einige Beobachtungen innerhalb ei-ner bekannten Zeit bestimmbar. Daß in dieser Art dieDrehgeschwindigkeit der Erde sich nicht ändert, ist durchLaplace dargethan worden.

Aber sie können auch sprungweise, wie die einzelnenGlieder einer Reihe, eintreten, und zwischen jeder Aende-rung kann eine größere oder kleinere Zeit verfließen, inner-halb welcher der vorhandene Zustand sich als ein constanterzeigt. Hierüber hat Laplace's Untersuchung nichts entschie-den, und ob in dieser Weise sich die Drehgeschwindigkeitder Erde verändert habe, ist auS Untersuchungen dieserArt nicht zu finden, sondern muß auf anderem Wege er-mittelt werden.

Es giebt demnach keine Gründe, welche gegen dieMöglichkeit einer ehemaligen langsameren Drehung derErde streiten, und für jetzt ist es genug, wenn nur dieMöglichkeit zugegeben wird.

Allein wenn die Erde wirklich, wie die gewöhnlicheAnnahme lautet, ein I^UipxoiUo rle rövolution ist,dann möchte daraus leicht ein Grund für die Unverändec-lichkcit der Achscndrehung hergeleitet werden können. Dennsie würde diese Gestalt nur bei einer Achsendrehung erhal-