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Temperatur-Differenz verbunden gewesen wäre, daß diesnur auf Wanderthiere Anwendung gestattete. Das Ent-stehen neuer Thiergattungen, sogar ganzer Familien undKlaffen wird dadurch nicht begreiflich.
Es ist oft gesagt worden, daß die schiefe Stellungder Erdachse der organischen Entwickelung ungemein gün-stig sei, weil bei jeder anderen keine solche Mannigfaltig-keit der Klimate vorhanden sein würde, und eben darumauch eine geringere Mannigfaltigkeit in der Entwickelungorganischer Wesen statt finden müßte. Namentlich hatBvde dies recht gut auseinander gesetzt, und da dies ohneSchwierigkeit eingesehen werden kann, so halten wir unshier dabei nicht auf.
Nun hat aber in der That ehemals keine so großeMannigfaltigkeit organischer Wesen geherrscht, als jetzt,sondern diese ist erst von den einfacheren Wesen ausgehend,nach und nach im zunehmenden Verhältnisse eingetreten, sodaß der Mensch, die Blüthe aller organischen Entfaltungund der Inbegriff ihrer vollständigsten Entwickelung, ganzzuletzt erscheint.*)
Da nun die Mannigfaltigkeit und die vollständigsteEntwickelung der Organisation von der schiefen Achsen-stellung der Erde abhängig ist, so kann diese doch im An-fange nicht die jetzige gewesen sein, sondern sie ist cö erstspäter geworden, und zwar bei dem Auftreten des Men-schen. Wäre es ehemals mit allen tellurischen Verhält-nissen nicht anders gewesen als jetzt, so würden die jetzigenBildungen den ehemaligen gleichen, was aber um so we-niger der Fall ist, je älter letztere sind.
**> Vergl. Link, die Urwelt und das Alterthum, u. Thl. S.
f. äz.