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Über die Gestalt und die Urgeschichte der Erde : nebst davon abhängenden Erscheinungen in astronomischer, geognostischer, geographischer und physikalischer Hinsicht / von Karl Friedrich Klöden
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einander wirklich geschnitten haben könnten, vor ungefähr6000 Jahren. Dies trifft völlig mit der Zeit zusammen,wo nach unserer Ansicht die Stellung der Erdachse geän-dert wurde, und nun darf ich wohl fragen: Ist denn diesletztere als ein so höchst unwahrscheinliches Faktum zu be-trachten, wenn sogar die totale Zersprengung eines Plane-ten durch innere oder äußere Kräfte als wahrscheinlich an-gesehen werden muß? Könnte nicht so gar eine unddieselbe Ursache beides bewirkt haben? Ist es nichtvielleicht ein Familien - Unglück gewesen, das gleichzei-tig mehrere Kinder der Sonne betraf? Varro hatuns eine Nachricht mitgetheilt, welche ein alter Geschicht-schreiber Castor aufbewahrt hat, und deren auch die Ma-thematiker Adrastus Cyciccnus, so wie Dion Neapolitesgedacht haben, nach welcher die Venus zur Zeit der Ogy-gischen Fluth eine solche Veränderung an Farbe und Ge-stalt erlitten habe, als weder vor noch nach ihr je wahr-genommen worden. Dies Ercigniß fällt nach der Zeitan-gabe später, als jene Veränderungen, doch bleibt die Frage:ob auf die Zeitangabe viel zu geben ist, und ob hier nichteine viel ältere Tradition zum Grunde liegt. Ist übrigensdie Thatsache richtig, so beweiset sie, daß nicht alles, wasganzen Weltkörpern eigenthümlich angehört, so stabil ist,als es uns die Mathematiker überreden wollen.

Daß ich die Olberssche Hypothese für wahrscheinlichhalte, habe ich schon oben ausgesprochen, nicht bloß des-halb, weil sie zu der von mir behaupteten Achsenänderungder Erde ein Seitcnstück liefert, sondern auch noch aus ei-nem anderen Grunde. Ist wirklich in jener Himmelsge-gend ein Planet zersprengt worden, so ist wohl leicht ein-zusehen, daß er nicht gerade in vier Stücke, welche wir