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Über die Gestalt und die Urgeschichte der Erde : nebst davon abhängenden Erscheinungen in astronomischer, geognostischer, geographischer und physikalischer Hinsicht / von Karl Friedrich Klöden
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nomischen Untersuchungen durchaus nichts weiter, als daßseit etwas mehr als 2000 Jahren keine bemerkbarenVeränderungen vorgefallen sind. Was würde aber ein Astro-nom wohl sagen, wenn man ihm seine Angabe, daß seineUhr vor 4 Wochen täglich um 2 Secunden vorgecilt sei,aus dem Grunde bestreiten wollte weil sie seit 4 Wochentäglich um 2 Secunden zurück bleibt? Wir könnten ihmimmerhin beweisen, daß gar kein Grund zu entdecken sei,warum sie ihren Gang geändert haben sollte, und dennochwürde er unsere Schlußfolgen mit vollem Rechte zurück-weisen.

Es ist seltsam daß es den Meisten leichter wird, sichüber die Beschränktheit des Ortes als der Zeit zu erheben.Jeder Astronom, würde es thörigt finden, wenn man be-haupten wollte', es sei aller Orten im Weltall , z. B. imMonde eben so, wie auf der Erde; und doch ist die Be-hauptung, es sei zu allen Zeiten gewesen wie jetzt, nichtviel besser, um so mehr, als die Erfahrung von dem unaufhör-lichen Wechsel der Erscheinungen sich unabweisbar beständigaufdringt. Was sind denn Zwei Tausend Jahre gegen die un-endliche Zeit, und selbst nur gegen die Zeit, welche die Erdeschon vor der historischen Zeit epistirthat? Und was folgtdenn aus jenen Untersuchungen weiter, als daß entweder inner-halb einer jeden Epoche die kosmischen, oder wenn manlieber will, tellurischen Verhältnisse im Ganzen constantbleiben, daß aber wenn Aenderungen eintraten, diese plötz-lich eingetreten sein müssen? Oder daß früher ein Zu-stand des Schwankens vorhanden gewesen, und das Gleich-gewicht nach immer geringer ausfallenden Oscillationenendlich eingetreten sei, in welchem Zustande die Erde seitder historischen Zeit beharrt.