Buch 
Die Kunstwerke der belgischen Städte / erläutert von Jacob Burckhardt
Entstehung
Seite
10
JPEG-Download
 

10

Lüttich .

viel später, jedenfalls nach demselben Plane. DasMittelschiff ruht auf Säulen; erst wo die Mauer be-ginnt, setzen je drei Wandsänlchen an. Jene Säulenruhen auf runden Basen, da doch das entsprechendeGlied, die Deckplatte des G'apitäls, achteckig ist. DieCapitälor haben höchst einfaches Blattwerk und deu-ten unverkennbar auf das XIII. Jahrhundert. Ueberihnen beginnen jene Wandsäulchen und die sehrspitzen *) Bogen, welche mit mehreren Kehlen undWülsten verziert sind, doch so, dass erstere, wie inallen niedcrländisch-gothischen Kirchen, vorherrschen.Drüber läuft eino Wandgallerie und über dieser diesehr einfachen Fenster hin; ein hohes, einfaches Ge-wölbe schliesst das Ganze. Obwohl der Chor nureinschiffig ist, setzen die Wandsäulchen dennoch erstweit oben an, um den Chorstühlen freien Raum zulassen. Das Schlussgewölbc des Chores ist sehr reinund schön. Spät erst sind die Seitcnkapcllen demLanghause angefügt worden. Sehr alt ist dage-gen der mit Wandgallerien verzierte Unterbau desThurmes; jedenfalls nicht später als das Schiff.Die Kirche ist gewiss eine der edelsten in den Nie­ derlanden , und dennoch vermisst der deutsche Reisendeschon hier, so nahe an der deutschen Grenze, garmanches. Die französische und niederländische Gotliikhat sich nur bis auf einen gewissen Punkt ent-wickelt und ist dann von diesem aus sogleich zu

*) Auoh dies« ist ein Beispiel gegen Wetter» Be-hauptung ("in seiner sonst so vortrefflichen Beschrei-bung de9 Mainzer Domes) dass die Bogen je älter,um so weniger spitz, seien.