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Die Kunstwerke der belgischen Städte / erläutert von Jacob Burckhardt
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Lüttich .

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möglichster Bereicherung des Ornamentes übergegan-gen; sie ist meist prächtig und roh zugleich. Indieses Capitel*) gehören vor allem die Spitzbogensammt dem ganzen Oberbau, Wandsäulchen, Gewöl-be etc., auf Säulen. (Später geht die niederländischeGothik von diesem Extrem auf das entgegengesetzteüber, indem sie die Gewölbrippen bis auf den Erd-boden herabführt; die richtige Mitte, einen schönge-gliederten Pfeiler mit einem Capital fiir jedes Glied,und mit einer ihm entsprechenden Kippe, hat sie nieaufgefunden.) Es giebt bloss ein Beispiel, wo Spitz-bogen auf Säulen völlig schön sind; wir meinen dieAbteikirchc zu Altenberg unweit Köln . Dort scheinendie Glieder des Bogens aus dem Capital selbst her-vorzuwachsen ; hier hingegen entwickeln sic sich erstmühsam aus einer Art von Piedestälchen.

Im Querbau rechts findet sich ein grosses Glas-gemälde in schöner Kenaissancearchitektur mit Frucht-schnüren, die Krönung Mariä in einer Wolkenglorie,so wie Pauli Bekehrung und den von S. Lambert be-gleiteten Donatar enthaltend; wahrscheinlich nach derMitte des XVI. Jahrhunderts verfertigt. Die Zeichnungist sehr manierirt, die Färbung jedoch noch schön, lnChristi rothes Kleid sind gelbschillernde Lichter ein-geschliffen; eine Liebhaberei, welche damals die ganzeMalerei durchdrungen hatte. Minder bedeutendeGlasgemälde enthält der Chor. Eine der Scitenka-pellcn rechts twir gehen immer von der westlichenHauptfacade aus) enthält eine Taufe Christi, woran

*) Was wir noch oft berühren müssen.