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der Ostsee angetroffen wird, und noch eine andere kleine Meeresassel (kontopareis,atlini«), die jetzt ebenfalls in der Ostsee lebt, deren verwandte Arten aber nur indem grönländischen Meere sich vorfinden. Doch wohl ein seltsamer Fund, der aberbeweist, daß der Wener- und Wettersee, von welchem der erstere dreihundert Fußüber dem jetzigen Spiegel der Ostsee liegt, früher, mit dem Meere zusammenhingen.Damals waren also diese Seen tiefe Fjorde, in welchen eine Meeresbevölkerunghauste, die ganz derjenigen des Eismeeres glich, und gewiß entsprach diese Periodedes Zusammenhanges dem höheren Stande des Eismeeres, wie er in Norwegen und Schweden nachgewiesen worden ist. Das Meer sank oder das Land hob sich;die Buchten wurden mehr und mehr abgesperrt, endlich gänzlich von dem Meeregetrennt und nun langsam nach und nach mit süßem Wasser angefüllt. Allen An-zeigen zufolge fand diese Erfüllung nicht nur von oben her durch die wenigen zu-strömenden Bäche, sondern auch von unten her durch aufsteigende Quellen statt.Nur wenige Seethiere vertragen zugleich das Brackwasser, noch wenigere lassen sich,wie die Auster, durch höchst allmähliche Veränderungen des Wassers in süßes Wasserüberführen. Die Meeresbevölkerung starb allmählich aus und jetzt haben sich nureinige wenige Krustenthiere in den Tiefen erhalten, die theils mit denjenigen derOstsee , theils' mit denjenigen des Eismeeres übereinstimmen.
Die Schlüsse aber, welche man an diese wenigen Arten, die in den Binnen-seen gefunden wurden, sowie überhaupt an die meisten noch jetzt in der Ostsee lebenden Fischarten knüpfen kann, sind nicht minder interessant. Ueberall gibt sicheine nächste Verwandtschaft mit polaren und arktischen Formen zu erkennen, wennnicht die Arten dieselben sind; überall läßt sich eine Verschiedenheit nachweisen mitden auf der Westseite Norwegens lebenden Arten. Hieraus, sowie aus der Ver-schiedenheit der Muscheln, welche sich in den älteren Ablagerungen vorfinden, hatdenn auch Lovän mit vollem Rechte den Schluß gezogen, daß- das Becken der Ost see nach Osten hin durch einen über den Ladoga- und Onegasee nach dem WeißenMeere sich hinziehenden Arm mit dem Eismeere in Verbindung stand, dagegen vondem westlichen Meere, mit dem das Becken jetzt durch die Sunde zusammenhängt,im Gegentheile durch eine Landenge geschieden war. Diese Scheidung trat natürlicherst ein, als das Eismeer im Rückzüge war. Schalenlager finden sich in demGebiete dieses östlichen Eismeeres bis etwa zu 130 Fuß Höhe und entsprechen dortdurch einige Arten dem arktischen Charakter. Aber wie Lovän mit Recht bemerkt,so war das Schicksal der östlichen Glacialfauna ein anderes, als dasjenige derwestlichen. Das Becken der Ostsee wurde allmählich ganz von dem Eismeere ab-getrennt und durch fortschreitende Versüßung und Verflachung mehr und mehr förmlichvergiftet, während im Westen das die südlichen Küsten Norwegens umspülendeMeer beständig in offener Verbindung mit dem Eismeere stand, dagegen aber