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Nord-Fahrt, entlang der norwegischen Küste, nach dem Nordkap, den Inseln Jan Mayen und Island, auf dem Schooner Joachim Hinrich unternommen während der Monate Mai bis Oktober 1861 von Dr. Georg Berna, in Begleitung von C. Vogt, H. Hasselhorst, A. Gressly und A. Herzen / erzählt von Carl Vogt, mit einem wissenschaftlichen Anhang ...
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Geologisches aus Norwegen .

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während des Rückzuges sich allmählich erwärmte und so die nordische Fauna vonbannen trieb, indem sie sie durch südliche Formen ersetzte. Diese Ersetzung sandin der Ostsee nicht statt. Die späte Eröffnung der Sunde führte von dem West-meere her keine neuen Arten in das Ostseebecken ein; dieses verarmte also durchVerödung, während die Westsee im Gegentheile durch Zufuhr der Fauna, die eineniwärmeren Gewässer angehört, reicher wurde.

Alle Thatsachen deuten darauf hin, daß das jetzige exceptionelle warme Klimader norwegischen Küste (denn im Verhältniß zum Breitengrade gibt es auf derganzen Welt kein wärmeres Land als Norwegen ) großentheils den warmen Meeres-strömungen, dann aber auch den aus Afrika über die Sahara hcrstreichenden warmenLuftströmungen zu danken sei. Schon längst hat man in der Schweiz darauf auf-merksam gemacht, daß der Rückzug der Gletscherperiode wohl mit der Austrocknungder Sahara , die früher ein flaches Meeresbecken gewesen ist, im Zusammenhangstehen könne, indem die Ausbreitung eines Sandgrundes im nördlichen Afrika jeneheißen Luftströmungen erzeugen muß, die wir unter dem Namen des Föhnskennen und die nicht entstehen konnten, so lange dort eine verdunstende Wasserflächecxistirte. Es gab also eine Zeit, wo auch Skandinavien und der ganze Nordenüberhaupt jene warmen Luftströmungen nicht erhielt, die jetzt zu seiner Erwärmungbeitragen und wo demnach der eine Faktor der ausnahmsweisen Erwärmung dahiu-fiel. Wir wissen aber aus den näheren Untersuchungen der Sahara , aus den dortim Sande gefundenen Muscheln, daß die Austrocknung des Saharameeres in die-selbe Zeit fallen muß, in welcher der Rückzug des nordischen Eismeeres, statthatte,d. h. in eine Zeit, welche der jetzigen Gestaltung der Erdoberfläche unmittelbarvorherging.

Die Untersuchungen Heer's und Anderer über die Fauna und Flora vonMadera, sowie über die in den jüngeren Tertiärschichten begrabenen Pflanzen , undThiere haben niit größter, Wahrscheinlichkeit die Existenz eines Landes nachgewiesen,welches die Azoren und die Westküste Portugals und Marokkos mit dem südlichenTheile des nordamerikanischen Festlandes, mit Florida , verband: Der Schluß,welcher zu der Existenz dieser Atlantis führt, beruht hauptsächlich auf der Aehnlich-keit und Gleichheit ihrer Floren und Faunen mit der Nordamerikas bei relativerVerschiedenheit mit der Fauna und Flora des Mittelmeeres und dessen Umgebung.Der Golfstrom, überhaupt die ganze Meeresströmung, welche von dem Aequatorund dem mexikanischen Meerbusen her warmes Wasser der westlichen Küste desnordischen Europas zuführt, konnte gewiß nicht existirm, sobald ein QuerlandFlorida und Europa verband. Wenn aber die Schlüsse Heer's richtig sind, socxistirte dieses Querland eben bis in die jüngste Tertiärzeit hinein, so fehlte alsoder Golfstrom bis in die jüngste Zeit und wurde erst nach derselben, d. h. während