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S. 556); Ansichten, die Schlözer in seiner Theorie der Stati-stik mit Recht „empörend” nennt. Schlözer selbst aber stelltbei allem dem die Statistik als politische Geographie — der„reinen trocknen Geographie” gegenüber (Theor. der Stat.,S. 58), und ist der Meinung, dass die Einmischung statistischerAngaben in die geographischen Beschreibungen durch das Bestre-ben der Geographen zu erklären stei, ihrem Gegenstände eini-ges Interesse zu geben (!). Selbst Balbi sieht noch in seinemneuesten Werke den Unterschied zwischen der Geographie undder Statistik darin, dass die erste sich mit den allgemeinen Re-sultaten begnüge, die letzte bis in die kleinsten Details herab-steige ( Abrege , Introd. p. IV).
Bei diesem traurigen Zustande dessen, was man allgemeinGeographie nannte, wurden von geistreichem Männern zweiverschiedene Wege betreten , die auf jeden Fall zum Besserngeleitet haben. Der eine dieser Wege hat in der letzten Zeit zubekannten bedeutenden Resultaten geführt, wenn auch keines-wegs zur Auffindung der der reinen Erdkunde als solcher zu-kommenden wissenschaftlichen Form. Man kann denselbenvorzugsweise den historischen Weg nennen. Wie in der Statistikdie Betrachtung der Erdoberfläche unter die leitende Idee desStaatszweckes gestellt wurde, so ward, nachdem man über un-tergeordnete Stufen auf diesem Wege hinausgekommen, an sei-nem Ziele, dessen Erreichung das Verdienst Ritter’s ist, dieseBetrachtung der Erdoberfläche unter die leitende Idee der Cul-turgeschichte gestellt. Aber in beiden Fällen ist die leitendeIdee eine der Erdkunde, als solcher, fremde.
Der andere Weg ist, obschon er bis in die letzte Zeit nebendem vorigen verfolgt und sogar in gewisser Hinsicht mit dem-selben vereint worden ist, schon weit früher mit Entschieden-heit betreten worden. Er hat zu der Eintheilung der Erdober-fläche nach sogenannten Naturgrenzen geführt. Der Begriff na-türlicher Abtheilungen der Erdoberfläche besteht schon seit lan-ger Zeit. Mit Entschiedenheit ist er in der Wissenschaft, kurzbevor 1749 Achenwall die Statistik begründet hatte, von demfranzösischen Geographen Buache angewandt worden , welcherein ganzes geographisches System darauf zu stützen gesucht hat.