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sich der Eintheilung nach Naturgrenzen schwankende Bestim-mungen vorwerfen 1 ). Dagegen nimmt die Schule der Natur-grenzen ihrer allgemeinen wissenschaftlichen Tendenz nacheinen bei weitem höhern Rang ein, indem es derselben in derThat um eine Construction der Geographie als selbstständigerWissenschaft zu thun ist. Nur suchte sie — unfähig , sich vonder alten Gewohnheit loszureissen, nach der man sich nicht dieErde als das gegebene Ganze und ein Land als einen nach einembestimmten Eintheilungsgrunde herausgehobenen Theil ihrer Ober-fläche, sondern die Länder als gegebene Individuen denkt, ausderen Summe die Erdoberfläche erst zusammengesetzt wäre —das Princip der Wissenschaftlichkeit am Unrechten Orte. Manglaubte mit der schwankenden Vorstellung natürlicher Län-der nichts geringeres als ein natürliches System erfundenzu haben, eine „natürliche Classification,” wie Gatte-rer sagt (Abriss, S. 141), die der politischen gegenüber zu ste-hen schien, wie in der Naturgeschichte die sogenannten natür-lichen Systeme den sogenannten künstlichen. Man übersah dabei,dass in der Geographie die Natur einzig das Ganze giebt, wel-ches der Mensch erst nach gewissen willkiihrlich gewähltenRegeln zertheilt, während in der Naturgeschichte die Natur nurdie Individuen mit gewissen Eigenschaften giebt, die Zusam-menfassung zu Ordnungen und Classen aber nur in der Ab-straction existirt, so dass in beiden Wissenschaften das Ver-hältniss der Theile des Materials zum Ganzen desselben eingeradezu umgekehrtes ist.
Schwerlich würde die Eintheilung der Erdoberfläche nachNaturgrenzen die Allgemeinheit erlangt haben, welche sie sichwirklich erwarb, wenn ihr nicht ein fremdartiges Verhältnis zuHilfe gekommen wäre. Offenbar war keineswegs immer dasStreben rein methodischen und systematischen Anforderungenzu genügen, sondern häufig die Unbequemlichkeit, welchein der Unbeständigkeit der politischen Dinge lag, der Beweg-grund zur Verwerfung der politischen und zur Annahme der