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Entwurf eines Systemes der geographischen Wissenschaften / von Julius Fröbel
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keit folgt, wie das Thier- oder Pflanzenleben einer gewissenGegend. Dass der Staat eine beweglichere Erscheinung ist, alsdieses letztere, obschon auch dieses der Veränderung unterwor-fen ist, kann nichts weiter zur Folge haben, als dass sich dieseBeweglichkeit auch in der Wissenschaft abdrückt. Hierüberspricht sich recht gut vor mehr als hundert Jahren Hauber aus,indem er sagt:dass die Veränderlichkeit derer Grenzen vorkeine Beschwerlichkeit der Methode, sondern vor eine unver-änderliche Eigenschaft der Wissenschaft selbst zu achten (des-sen Discours über den gegenwärtigen Zustand der Geographie,Ulm , 1727, S. 171 72). Wäre dieses Urtheil nicht richtig,so könnte auch die Statistik, nachdem sie von der Geographiegetrennt worden ist, niemals wissenschaftlich behandelt werden;denn die Veränderlichkeit gehört lecht eigentlich zur Naturnicht nur der politischen Grenzen, sondern aller der Dinge ,die den Gegenstand dieser Wissenschaft ausmachen.

Zweitens aber und diess ist uns hier das Wichtigerezeigt sich bei richtiger Erwägung ein jedes Ausgehen von einerEintheilung der Erdoberfläche in Länder, seien dieselben na-türliche oder politische, in der reinen Geograghie unzulässig.Es können nämlich die Merkmale, nach denen man eintheilt,

1) rein aus dem menschlichen Leben genommen sein, oder

2) , aus der Verknüpfung des Menschenlebens mit der Natur,oder endlich 5), aus der reinen Natur, und letzteres wiedernach wissenschaftlicher oder nach ästhetischer Auffassung.Im gemeinen Leben wird offenbar unter dem, was man einLand nennt, nichts anderes verstanden , als der Boden einesStaates, sei es eines noch jetzt bestehenden oder eines unter-gegangenen aber noch in der Erinnerung lebenden. DieMenschen, sagt A. Hörschelmann in seinem kürzlich erschie-nenen Handbuche der Geographie, haben den Erdboden, soweiter productionsfähig ist, unter sich getheilt, und erkennen vonder Zeit ihrer Niederlassung einander ihren Besitz stillschwei-gend an. Einen auf diese Weise bestimmten District der Erde,der von Menschen bewohnt und angebaut ist, nennt man einLand, die Bewohner und Eigenthümer desselben ein Volk.Hier erscheint uns also die Erde als Eigenthuin des Menschen