Band 
[Band 3.]
Seite
1292
JPEG-Download
 

1292 Anfangs ⸗Gruͤnde

daß ſie in dem Himmel nicht anzutreffen waͤren, kon-ten ſie doch nicht auskommen. Dannenhero auch Rie.cioſus, unerachtet er den Tycho niſchen Welt Bau mitdem groͤſten Eyfer vertheidiget hat, dennoch davonadgegangen iſt, und den Copernianiſchen angenom-men hat, als er aſtronomiſche Tabellen zu Berechnungdes Himmels Laufes verfertigen wolte, wie er in ſeinerAſtronomia Reformata aufrichtig geſtehet: in welcherihm Nechales in ſeinem Mundo Mathematico gefolgt.

Die 2. Anmerckung.367. Vielleicht gedencket ihr, es ſey dieſes ein kla-rer Beweiß, daß dem Verſtande des MenſchenSchrancken geſetzt ſind, welche er nicht uͤberſchreitenkan, damit er erkenne, Gott koͤnne uͤberſchwencklichthun uͤber alles, was wir verſtehen. Allein eure Ge-dancken wuͤrden Grund haben, wenn ich nicht bald zei-gete, daß wir einen Welt⸗Bau uns gedencken koͤnnen,woraus einer in ſeiner Studier⸗Stube durch bloßesNach ſinnen die Himmels⸗Begebenheiten erlernen kan,welche er ſonſt durch fleiſſige Betrachtung des Him-mels erkennet. Wollet ihr ſagen, dieſer Welt⸗Bau ſeyvon dem menſchlichen Verſtande nur erdichtet wor-den: ſo fuͤrchte ich ſehr, daß ihr dem goͤttlichen Ver-ſtande nachtheilige Gedancken fuͤhret/ welchen ihr uͤberden menſchlichen Verſtand mit Recht unendlich erhe-ben wollt. Denn ihr werdet begreifen, daß derWelt⸗Bau, welchen ich beſchreiben werde, durch kurtzeWege das leiſte, was durch Umwege geſchaͤhe, wenndie Lide ſich nicht bewegen ſolte. Nun muͤſſet ihr ge-ſtehen, daß es eine groͤſſere Weisheit iſt, eine Maſchi-ne zu erſiunen, welche durch einen kurtzen Weg etwasausrichtet, als eine andere, welche eben dieſes durchvielellmwege verrichtet. Derowegen wurde folgen, daßder menſchliche Verſtand weiſer waͤre, als GOttes:welcher boͤſe Gedancke keinen Menſchen jemals inden Sinn kommen ſoll. Und lieber, vou wem habenwir den Verſtand, das iſt, das Vermoͤgen zu.was