der Aſtronomie. 1295
ihren Ort, daß ſie wieder daſelbſt aufgehe.Allein, weil die Schrift ſich nirgens erklaͤret, wasſie durch den Auf- und Untergang der Sonne wolleverſtanden haben; ſo erfordert ſie keinen andern Be-griff als welchen wir insgemein davon haben. Wennihr nun auf die auf- und untergehende Sonne achthabt: ſo koͤnnet ihr nichts anders wahrnehmen, alsdaß euch auf eurer Stelle, wo ihr ſtehet, die Sonnein dem Horizonte erſcheinet. Und alſo, wenn dieSchrift ſagt: die Sonne gehet auf und gehet unter;ſo duͤrfet und koͤnnet ihr euch weiter nichts geden-chen, als daß ſie in dem Morgen⸗ und Abend-Hori-zoute von euch geſehen wird. Eben ſo, wenn ihr fraget,was ihr euch bey den Worten gedencken ſollet, dieSonne lauft an ihren Ort; ſo werdet ihr finden,daß ſie nichts anders zu ſagen haben, als, die Son-ne werde, nach einiger Zeit, von uns auf der Erdewieder an dem Orte geſehen, wo wir ſie vorhin ſa-hen. Und in dieſem Verſtande ſagen die, welcheder e keine wuͤrckliche Bewegung um die Erdezugeſtehen, die Sonne gehe auf und gehe unter,und laufe um die Erde herum. Nemlich um dieErde laufen heißt, ſeinen Stand gegen die Erde ineinem beſtaͤndig aͤndern.
Die 5. Anmerckung.
370. Damit ihr euch aber in dieſe Erklaͤrung de-ſto beſſer finden koͤnnet, ſo mercket, daß man von na-tuͤrlichen Dingen zweyerley Erkenntniß haben koͤnne,nemlich eine Hiſtorie von dem, was in der Naturgeſchiehet, und eine Wiſſenſchaft, wie es geſchiehet.Jene ſtellet uns die natuͤrlichen Dinge vor, wie ſievon den Sinnen; dieſe aber, wie ſie von dem Ver-ſtande begriffen werden. Die erſtere iſt der andernniemal zuwieder, wenn ihr nur in acht nehmet, wasich von denen ihr zugehoͤrigen Begriffen geſagt habe.Durch beyde kan man zum Lobe und Preiſe GOttesaufgemuntert werden. Die erſtere ſchickt ſich vor alleLeute, vor gelehrte und ungelehrte, ja vor die Wfa