Buch 
Kurt Sprengel... Von dem Bau und der Natur der Gewächse
Entstehung
Seite
342
JPEG-Download
 

542

Siebentes Kapitel.

spricht für den Nutzen dieser Methode, aber dieTheorrie muß ihr Unvermögen gestehen.

Ohne die physische Wirkung der Wärme undKälte im mindesten zu bezweifeln, muß man dennochihre reizende Eigenschaft auch in der Pflanzenwelt an-erkennen. Die Wärme erhöht, indem sie den Zusam-menhang vermindert, die Empfänglichkeit; denn mitvollkommen zweckmäßigem Zusammenhang ist das rc-gelmäßige Verhältniß der beiden Faktoren der Lebens-kraft, der Energie und EmpfÄiglichkeit, verbunden.Wird der Zusammenhang geschwächt: so nimmt auchdie Energie ab, aber die Empfänglichkeit wird erhöht.Darum wachsen bey übermäßiger Hitze die Pflanzenaußerordentlich in die Länge; aber sie werden destoempfänglicher für die schädlichen Einflüsse der Kälte,je ungewohnter sie der zu großen Hitze sind. Ein sehrwarmer Herbst ist um so nachtheiligcr, je schnellerfrühe Fröste auf die ungewöhnliche Wärme folgen.Darum sind auch die späten Fröste so verderblich, wennsie mit sehr warmen Sonnenblicke» abwechseln.

Ein regelmäßiger Wechsel der Temperatur, viel-leicht von 45^ — 80" Fahr., ist der Vegetation amzuträglichsten. weil die zusammenziehende Wirkung dermäßigen Kälte die Energie vermehrt, indem sie dieEmpfänglichkeit herabstimmt, worauf die größere Wär-me wieder die letztere erhöht und die erstere vermin-dert. Dies bewirkt ein regelmäßig wechselndes Spiel

6>) Cihrist's Handbuch der Obstbaunizucht, l. i? 8 .—Flörke-s RcpertoriuM/-H. 548. f.