schlechten Gedächtnis und meiner Schlaffheit hier oben ganz be-stimmt, dass Du am roten Seil zu ziehen hast, das weisse ist dieEeissleine.“ Der Kapitän schaute mich an und erkannte den tiefenErnst meines Willens, zudem fehlte der Schlüssel zum Sauerstoffimmer noch. Nun fügte er sich, zwar ungern, aber er braucht esnicht zu bereuen, er hat vernünftig gehandelt. Dass ihm dieQualitäten nicht fehlten, so hoch zu gehen, wie es überhaupt je-mandem möglich ist, daran zweifelte keiner von uns. Er hat esgewollt, er ist nicht Schuld, dass es nicht so gekommen ist, wirhaben ihn daran verhindert. Er zog 3 Uhr 43 Minuten an der Klappe,man hörte das Rauschen des austretenden Wasserstoffgases. Nachdem Aneroidbarometer, das ich nun beobachtete, fielen wir nochnicht, er zog ein zweites und drittes Mal. Jetzt kamen wir insSinken. Dass dort droben unser Meteorologe den „Schlüssel zumHimmelreich“ d. h. den Schlüssel zur Sauerstoffbombe im Stiefelwohl verborgen hielt, während wir ihn suchten, erfuhren wir selbsterst einige Tage später. Jene Scene bei 6800 m hat übrigensunser Einvernehmen nicht getrübt, sondern befestigt. Wir sindalle darüber einig, dass das Richtige geschehen ist.
Während stets die steigende Ballonbewegung mit ihrer Luft-druckabnahme nur wohlthätig wirkt, abgesehen von den Höhenüber 5000 oder 6000 m, empfindet man beim Fallen einen dumpfenDruck in den Ohren. Durch häufiges Schlucken kann die Spannungim Ohr unter etwas Knall immer wieder ausgeglichen werden.
Am Morgen der Ballonfahrt, ca. 7 Uhr, hat jeder von unssein gewöhnliches Frühstück, bestehend aus einer Tasse Cacaooder Milch mit Kaffee und ein oder zwei Brötchen, eingenommen.Für die Fahrt waren wir überreichlich verproviantiert. Zu dem,was wir mitzunnehmen besorgt waren, kamen noch freundlicheSpenden, die man uns im letzten Momente in die Gondelbrachte. Wir hätten, irgend in einem verlorenen Winkel fern vonMenschen landend, mehrere Tage aushalten können. Aber dasSchauen allein erfüllte uns in der Höhe, ein Gefühl von körper-lichen Bedürfnissen kam nicht auf. Ich habe um Mittagszeit drei