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Kapitel 111.
sind noch nicht bekannt geworden, in welchen innerhalb des Rah-mens des Sexagesimalsysteins Zahlen über 30 000 sich ergaben undschriftlich aufgezeichnet werden mussten; solche Rechnungen dürftenüberhaupt zu den Seltenheiten gehört haben.
Wir haben die Besprechung einer bedeutungsvollen Aehnlichkeitzugesagt, welche auf babylonisch-chinesische Beziehungen deute.Eigentlich ist es eine Aehnlichkeit zwischen Zahleuträumereien derGriechen und der Chinesen. Bei Plutarch wird den Pythagoräernnacherzählt, die sogenannte Tetraktys oder 36 sei, wie ausgeplaudertworden ist, ihr höchster Schwur gewesen; man habe dieselbe auchdas Weltall genannt als Vereinigung der vier ersten Geraden undUngeraden'), d. h. 36 = 2 + 4 + 6 + 8 + 1 -|- 3 + 5 + 7, Dieseheilige Vierzahl lässt Plutarch an einer zweiten Stelle durch Platonzu 40 ergänzt werden. 2 ) Gewiss ist dieses eine unfruchtbare unddarum nicht naturgemäss sich wiederholende Spielerei. Um so auf-fallender muss es erscheinen, wenn in China das erstere System demKaiser Fu hi, das zweite vollkommnere dem Oü wäng, dem Vaterdes Kaisers Oü wäng, der um 1200 v. Chr. regiert haben soll, alsErfinder zugewiesen wird. 3 ) Chinesische Rückdatiruugen sind zwar,wie wir seiner Zeit erörtern müssen, von Zuverlässigkeit weit ent-fernt. Wir legen den Jahreszahlen als solchen desshalb hierkeinen sonderlichen Werth bei, aber um so mehr der Ueberein-stimmung sinnloser Träumereien in so weit entlegener Gegend. Selbstdie nicht zu vernachlässigende Thatsache, dass die vervollkommneteTetraktys mit jener runden Zahl 40 übereinstimmt , die den ältestenhebräischen Sagen vorzugsweise anzugehören schien, kann uns inder Vermuthung nicht irre machen, dass wir es hier mit einem Stückebabylonischer Zahlensymbolik zu thun haben, welches nachWesten und nach Osten sich fortgepflauzt hat.
Babylonische Zahlensymbolik selbst ist über allen Zweifel ge-sichert. Träumereien über den Werth der Zahlen nahmen unter denreligions philosophischen Begriffen der Chaldäer einen bedeutsamenPlatz ein. Jeder Gott wurde durch eine der ganzen Zahlenzwischen 1 und 60 bezeichnet, welche seinem Range in derhimmlischen Hierarchie entsprach. Eine Tafel aus der Bibliothekvon Ninive hat uns die Liste der hauptsächlichsten Götter nebstihren geheimissvollen Zahlen aufbewahrt. Es scheint sogar, als seigegenüber dieser Stufenleiter ganzer Zahlen, die den Göttern bei-gelegt wurden, eine andere von Brüchen vorhanden gewesen, welche
') Plutarch, De Iside et Osiride 75. 2 ) Plutarch , De animae procrea-tione in Timaco l'latonis 11. 3 ) Montucla, Historie des mathematiques I, 124,
wo auch auf die Aehnlichkeit mit deu Stellen bei Plutarch aufmerksam ge-macht ist.