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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel III.

Spielereien sich hinzugeben liebten, die bei ihnen einen allerdingsernsten magischen Charakter trugen, und dass von ihnen Aehnliclieszu anderen Völkern übergegangen ist.

Es ist keineswegs unmöglich, dass aus den magischen Anfängensich die Beachtung von merkwürdigen Eigenschaften der Zahlen ent-wickelte, dass eine Vorbedeutungsarithmetik bei ihnen sich zur Keunt-niss zahlentheoretischer Gesetze erhob. Wissen wir doch, woranwir hier zusammenfassend erinnern wollen, von dem Vorkommeneines ausgebildeten Sexagesimalsystems, von der Benutzung arithme-tischer und geometrischer Reihen, von der Bekanntschaft mit Quadrat-und Kubikzahlen in alt-babylonischer Zeit, und auch gewisse Theileder Proportionenlehre sollen, wie wir vorgreifend erwähnen, griechi-scher Ueberlieferung gemäss aus Babylon stammen.

Mit der Lehre von den Vorbedeutungen ist überhaupt die babylo-nische Wissenschaft aufs Engste verknüpft gewesen. Vorbedeutungenzu suchen war, wie wir an jenem zu König Sargons Zeiten ver-fertigten Kalender gesehen haben, ein wesentlicher Zweck der Be-obachtungen von Himmelsvorgängen. Neben dem Aufsuchen vonVorbedeutungen widmete sich die Priesterschaft des Landes dem Her-vorbringen von Ereignissen: sie trachtete das Böse abzuweuden undtheils durch Reinigungen, theils durch Opfer oder Zauberei zumGuten zu verhelfen. 1 ) Die Priesterschaft des medischen Nachbar-volkes bestand ebenfalls aus gewerbmässigen Hexenmeistern, und sie,die Maguscli, vererbten ihren Namen auf die Magie 2 ), wie im römi-schen Kaiserreiche der Name Chaldäer gleichbedeutend war mit Stern-deuter, Wahrsager, gelegentlich auch mit Giftmischer. Die Wahr-sagung beschränkte sich keineswegs auf Beobachtung der Gestirne,deren Einfluss auf das menschliche Geschick man zu kennen wähnte.Die Punktirkunst 3 ) der persischen Zauberer, vielfach erwähnt inden Märchen der Tausend und eine Nacht und darin bestehend, dassauf ein mit Sand überdecktes Brett Punkte und Striche gezeichnetwurden, deren Verschiebungen und Veränderungen in Folge eines An-stosses an den Rand des Brettes beobachtet wurden, diese Kunst, diesich erhalten hat in dem Wahrsagen aus dem Kaffeesätze, die ver-wandt ist dem Bleigiessen in der Neujahrsnacht, welches da und dortnoch heute geübt wird, sie dürfte selbst bis in die babylonische Zeithinaufragen. Wenigstens ist es sicher, dass es eine Vorbedeutungs-geometrie in Babylon gab. Wir besitzen die Uebersetzung einer

') Diodor II, 29, 3. 2 ) Maspero-Pietschmann S. 466. • 3 ) Alex, von

Humboldt in seinem Aufsatze über Zahlzeichen u. s. w. (Crelle’s Journal IV,216 Note) nennt diese Kunst raml und verweist dafür auf Richardson & Wil-kins, Diction. Version and Arabic 1806. T. I, pag. 482. Vergl. über die Punk-tirkunst auch Steinschneider, Zeitsclir. d. morgenl. üesellsch. XXV, 396 undXXXI, 762 flgg.