Band 
Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
Entstehung
Seite
90
JPEG-Download
 

( J0

Kapitel

einander schneidenden Linien ausgedrückt. Nehmen wir aber dieseUebersetzung einmal als richtig an, so ist in ihr eine Bestätigungunserer Meinung über die Entstehung des Sexagesimalsystems ent-halten. Bei der Zählung der Winkelgrade, deren 360 auf der Kreis-periplierie zu unterscheiden sind, fasste man, meinten wir, je 60 ineine neue Bogeneinheit zusammen, welche man erhielt, indem manden Halbmesser sechsmal auf dem Umkreise herumtrug. Für dieerste Hälfte unserer Behauptung gibt es keine bessere Stütze alsjenes Gradzeichen. Die drei symmetrisch gezeichneten Linien theileuja den um den gemeinsamen Schnittpunkt befindlichen Raum in sechsgleiche Theile und lassen damit jeden dieser sechs Theile als beson-ders wichtig hervortreten!

Auch an weiterer Bestätigung dafür, dass den Babyloniern dieSeehstheilung des Kreises bekannt war, fehlt es nicht. Wir erinnernuns, dass auf ägyptischen Wandgemälden es grade asiatischeTributpflichtige sind, welche auf ihren überbrachten Gefässen Zeich-nungen haben, bei welchen der Kreis durch sechs Durchmesser inzwölf Theile getheilt ist (S. 59). Uebereinstimmend zeigen ninivitischeDenkmäler in ihren Abbildungen des Königswagens dessen Räder mit6 Speichen versehen 1 ) ^Figur 14). Endlich ist damit in EinklangdieDreitheilung eines rechten Winkels, welcheauf einer assyrischen Thontafel geometrischen In-haltes durch G. Smith entdeckt worden ist, bevorer seine letzte Reise, von welcher er nicht mehrheimkehren sollte, nach den Euphratländern antrat;eine Entdeckung, aus welcher weitere Folgerungenzu ziehen nicht gestattet ist, bevor der ganze Textder Oeffentlichkeit übergeben ist. Darauf aber wird mau, wie zubefürchten steht, noch lange warten müssen, da die betreffendeTafel seit der Abreise ihres Entdeckers nicht wieder gesehenworden ist, also vermuthlich durch ihn in irgend eine Ecke fürkünftiges Studium bei Seite gestellt, eines Zufalles harret, dergerade auf sie unter den zahllos vorhandenen Tafeln die Aufmerk-samkeit lenkt.

Ist aber nunmehr die Seehstheilung des Kreises als bewusste geo-metrische Arbeit der Babylonier ausser Zweifel gesetzt, so wird manauch unsere Behauptung, die Seehstheilung sei durch Herumtragendes Halbmessers erfolgt, habe also die Kenntniss des Satzes von derSeite des regelmässigen Sechsecks mit eingeschlossen, in den Kaufnehmen müssen. Es ist nun einmal, ausser im Zusammenhang mitdiesem Satze, ein Grund zur geometrischen Seehstheilung des Kreisesnicht vorhanden. Ausserdem sind wir im Stande eine Bestätigung

) Niniveh and its remains by A. If. Layard. LondoD, 1849. I, 337.