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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
Entstehung
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Die Babylonier. * | ]

aus biblischer Nachahmung anzuführen. Wenn man, ohne mathe-matische Kenntnisse zu besitzen, sah, dass der Halbmesser 6 malauf dem Kreisumfange als Sehne herumgetragen nach dem Ausgangs-punkte zurückführt, so lag es sehr nahe Sehne und Bogen zu ver-wechseln und zur Annahme zu gelangen, der Kreisumfang selbst sei6 mal der Halbmesser, beziehungsweise 3 mal der Durchmesser. Dasgab die erste, freilich sehr ungenaue Rectificatiou einer krummenLinie, ein Seitenstück zu der in Aegypten Vorgefundenen (S. 50)Quadratur. Dort war ziemlich genau ,-r = 3,1604 . . .; hier ist % = 3.

Diese Formel findet sich nun angewandt bei der Schilderung desgrossen Waschgefässes, das unter dem Namen des ehernen Meeresbekannt eine Zierde des Tempels bildete, welchen Salomo von 1014bis 1007 erbauen liess.') Von diesem Gefässe heisst es: Und ermachte ein Meer, gegossen, 10 Ellen weit von einem Rande zum an-dern, rund umher, und 5 Ellen hoch, und eine Schnur 30 Ellen langw r ar das Maass ringsum. 3 ) Dabei ist offenbar 30 = 3 X 10. Mögennun die Bücher der Könige erst um das Jahr 500 v. Clir. abgeschlossenworden sein, so ist doch unbestritten, dass in dieselben ältere Er-innerungen, wohl auch ältere Aufzeichnungen Aufnahme fanden, undso kann insbesondere die Erinnerung an eine Schnur, mit deren HilfeLängeumessungen vorgenommen wurden, kann die Erinnerung an dieMaasse des ehernen Meeres, an den Durchmesser 10 bei einem Kreis-umfauge 30, eine sehr alte sein. Die letztere hat sich auch nach ab-wärts durch viele Jahrhunderte fortgeerbt, und der Talmud wendetin der Mischna die Regel an: Was im Umfang 3 Handbreiten hat,ist 1 Hand breit. 3 )

Nachdem wdr für die geometrischen Kenntnisse der Babylonier aufSchriftsteller zweiter Ueberlieferung einmal eingegangen sind, wollenwir noch einige ähnlich verwerthbare Stellen aufsuchen. Eine solcheStelle führen wir nur an, um sie sogleich zu verwerfen. Bei der Be-schreibung des Salomonischen Tempelbaues heisst es nach LuthersUebersetzung: Und am Eingänge des Chors machte er zwei Thiirenvon Oelbaumholz mit fünfeckigen Pfosten. 4 ) Darnach wäre aueine Kenntniss des Fünfecks, muthmasslich des regelmässigen Fünf-ecks in Vorderasien in sehr alter Zeit zu denken. Da die Constructiondes regelmässigen Fünfecks eine verliältnissmässig bedeutende Summegeometrischer Sätze als Vorbedingung enthält, so wäre diese Thatsacheum so überraschender, als nirgend auf asiatischen Denkmälern bei

') Die Datirung nach Oppert: Salomon et ses successeurs in den Annales dePhilosophie chretienne T. XI u. XII. 1876. 2 ) I. Könige 7, 23 und II. Chronik4, 2. 3 ) Zuerst berücksichtigt in unserer Besprechung von Oppert, Etalondesmesures assyriennes in der Zeitschr. Math. Phys. XX, histor. literar. Abthlg. 164.4 ) I. Könige 6, 31.