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Kapitel IV'.
solcher Angaben wesentlich ab, sofern nicht andere Gründe obwalten,den Glauben an jene Aussagen wieder zu verstärken. Wir rechnendazu vornehmlich zweierlei. Erstens erhöht es für uns die Bedeutungeines Ursprungszeugnisses aus fremdem Lande, wenn wir selbst dortErzeugnissen begegnet sind, die dem, was als eingeführt bezeichnetwird, wesentlich gleichen. Zweitens vertrauen wir mit rückhaltlosererHingebung den Aussjirüchen eines Mannes, der als Sachverständiger,als Fachmann redet; ja wir benutzen lieber einen der Zeit nachspäteren Mathematiker als Gewährsmann für früher Erdachtes alseinen dem Ursprünge gleichaltrigen Laien, der die Jahre, um w r elclieer den Ereignissen näher lebte, dadurch unwirksam macht, dass erdem Inhalte derselben ferner stand.
Mit vollstem Vertrauen würden wir daher die Geschichte derGeometrie, der Sternkunde, der Arithmetik als Quelle benutzen,welche Theophrastrus von Lesbos , der Schüler des Aristoteles,verfasst haben soll'), wenn dieselben uns auch nur in Spuren erhaltenwären. Gern würden wir den gleichaltrigen Xenokrat es inseinenBüchern über die Geometer 2 ) als Führer wählen — vorausgesetzt,dass dieser Titel und nicht der „über Geometrisches“ die richtigeLesart bildet — wenn nicht auch sie durchaus verschollen wären.Mit Freuden bedienen wir uns der Bruchstücke historischer Schriftenüber Geometrie und Astronomie, die ein dritter Schriftsteller aus derZeit der unmittelbarsten aristotelischen Schule verfasst hat: Eudemusvon Rhodos. 3 ) Es sind, w'ie wir es ausgesprochen haben, nurBruchstücke dieser Bücher bekannt, welche von anderen Schriftstellernabgeschrieben und gelegentlich, theils mit Nennung des Verfassers,tlieils mit blosser Andeutung desselben, ihren Werken einverleibtwurden, aber jedes einzelne Stückchen lässt den Werth des Verlorenenermessen, seinen Verlust bedauern.
Neben diesen eigentlichen Geschichtsschreibern der Mathematikhaben auch andere Fachmänner, Compilatoren und Commentatorenmathematischer Schriften, uns manche werthvolle Bemerkung Unter-lassen, die wir dankbarst benutzen werden. Geminus von Rhodos ,Theon von Smyrna, Porphyrius, Jamblichus , Pappus,Proklus, Eutokius sind die Namen solcher Verfasser, von denenwir mehr als nur einmal zu reden haben werden.
Die Ueberlieferungen nun in dem Sinne und Umfange benutzt,wie wir es vorausschickend erläutert haben, und unter fernerer Zu-ziehung auch nichtmathematischer Schriftsteller, wenn keine andereWahl uns bleibt, belehren uns darüber, dass in dem weiten Länder-gebiete, in welchem griechisch gesprochen und griechisch gedacht
’) Diogenes Laertius V, 48—50. 2 ) Diogenes Laertius IV, 13.
3 ) Eudemi Rhodii Peripatetici fragmenta quae superswnt ed. L. Spengel.Berlin , 1870. Die mathematischen Bruchstücke S. 111—143.