Kapitel IV.
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Ob wir es eine Zahlenbezeichnung') zu nennen haben, wennin griechischen Inschriften die Zahlwörter ausgeschrieben gefundenwerden, dürfte dahingestellt sein. Ebenso kann die Auflösung einerZahl in lauter einzelne neben einander befindliche Striche, wie siez. B. für die Zahl sieben noch in einer Inschrift von Tralles in Karien aus dem IV. vorchristlichen Jahrhunderte nachgewiesen ist, wie sieaber naturgemäss für eine nur noch etwas grössere Zahl gar nichtdenkbar ist, kaum als Zahlenbezeichnung gelten. Die älteste wirklicheBezeichnung erfolgte durch Anfangsbuchstaben der Zahl-wörter. 2 ) Ihre Spuren sollen hinaufrücken bis in die Zeit Solon’s,also etwa bis zum Jahre 600, während als untere Grenze das perikleischeund nachperikleische Jahrhundert genannt wird, ja während Spurenbis auf die Zeit Cicero’s hinabführen. Die benutzten Buchstabensind folgende. Man schweb Jota I für die Einheit, sei es nun, dassan eine alterthümliche Form des Wortes für eins gedacht werdenmuss, sei es, dass nur ein grader Strich gemacht wurde, der zufälligauch als Jota gedeutet werden kann. Für fünf wurde ein Pi 11 ge-schrieben wegen nevTS, für zehn ein Delta /I wegen dixcc. Hundert,txarov, bezeichnete man durch Eta II, welches ursprünglich keinc-Laut, sondern wie später bei den Römern Aspirationszeichen war.Tausend jiXia und zehntausend (ivqux endlich schrieb man mit Chi Xund My M. Ausserdem waren ebendieselben Buchstaben in und an-einandergeschrieben als Zusammensetzungen, durch welche die Produktevon fünf in Einheiten verschiedenen Ranges dargestellt werden sollten,in Gebrauch, und auch ein als „zehn mal tausend“ zusammengesetztesZehntausend wird überliefert. Dass das Gesetz der Grössenfolge stetsgewahrt blieb, sei der Vollständigkeit wegen bemerkt. Wir bemerkenferner, dass diese Zeichen von Herodianus, einem byzantinischenGrammatiker, der etwa 20Q n. Chr. lebte, geschildert wurden und dasssie desshalb nicht selten herodianische Zeichen heissen.
Noch während der drei Jahrhunderte, durch welche jene Be-zeichung der Hauptsache nach verfolgt worden ist, bildeten sich zweineue Methoden aus, beide wohl ziemlich gleichzeitig mit der so-genannten ionischen Schrift auftretend, etwa kurz nach 500. Dieeine dieser Methoden benutzt die 24 Buchstaben des ionischenAlphabets um die Zahlen 1 bis 24 dadurch auszudrücken. Nachihr wurden die zehn Phylai der athenischen Richter mit fortlaufenderNummer versehen. Nach ihr gaben später die Alexandriner den
’) Ausführliches über Zahlenbezeichnung der Griechen in dem Math. Beitr.Kulturl. 111—126. *) Ausser den in dem Math. Beitr. Kulturl. angeführten
Quellen vergl. Koehler in den Monatsberichten der Berliner Akademie für 1865,S. 541 flgg. und Friedlein, Die Zahlzeichen und das elementare Rechnen derGriechen und Römer und des christlichen Abendlandes vom 7. bis 13. Jahr-hundert. Erlangen , 1869, S. 9. 3 ) Math. Beitr. Kulturl. 113.