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Pythagoras und die Pythagorüer. Arithmetik.
Er ist es auch, der die Theorie des Irrationalen und die Construction t\ ?der kosmischen Körper erfand.“
Pythagoras von Samos , über welchen wir soeben das alteMathematikerverzeichniss haben reden lassen, war Sohn des Mne-sarchus. Er gründete in den dorisch bevölkerten Städten von Süd-italien , in dem sogenannten Grossgriechenlaml, eine Schule, die zahl-reiche Anhänger versammelte und so geschlossen auftrat, eine solcheauch politische Bedeutung gewann, dass sie die Feindschaft derausserhalb der Schule Stehenden auf sich zog und gewaltsam zer-sprengt wurde.
Diese Thatsachen stehen nach den Aussprüchen sämmtlicher altenBerichterstatter allzu fest, als dass sie auch nur von einem einzigenneueren Geschichtsschreiber angefochten würden. In jeder anderenBeziehung aber herrschen über das Leben des Pythagoras , über seineLehre, über das was man ihm, was man seinen Schülern zuzuschreibenhabe, die allergrössten Meinungsverschiedenheiten. Greifen wir nureinige gewiss wichtige Punkte heraus: das Geburtsjahr des Pytha-goras, das Jahr seiner Ankunft in Italien , sein Todesjahr, die Zeit,zu welcher die Schule zersprengt wurde, das Alles liegt im Wider-streite der Meinungen. Wenn ein Forscher 1 ) Pythagoras 509 ge-boren, 510 in Italien aufgetreten, 470 bei dem gegen die Schule ent-brannten Aufstande umgekommen sein lässt, sagt uns ein andererForscher 2 ), die Geburt habe um 580, die Ankunft in Italien um 540stattgefunden, Pythagoras sei um 500 gestorben, die Schule erst einhalbes Jahrhundert später zersprengt worden. Aehnliche Gegensätzetreten in allen Aeusserungen derselben Gelehrten über Pythagoras und die Pythagorüer hervor, und wir können diese Gegensätze soziemlich auf eiuen einzigen grundsätzlichen zuriickführeu. Der ersteGelehrte, dessen Datirungen wir angaben, ging von dem Bestrebenaus die überreichen Mittheilungen, w'elche erst in nachchristlichenJahrhunderten von griechischen Schriftstellern in Form spannenderaber Roman-artiger mit Wundergeschichten reichlich durchsetzterBücher zusammengestellt wurden, nach Ausscheidung dessen, wasaugenscheinlich sagenhafte Erfindung war, zu benutzen. Der Zweiteverwirft jene Romane ganz und gar, lässt höchstens die Benutzungeiniger weniger Stellen derselben zu, wo die Gewährsmänner aus-drücklich genannt sind und ihre Nennung seihst Vertrauen verdient.
Beide gehen wohl in ihren polemisch erprobten ünd dadurch nurum so stärker befestigten Meinungen zu weit, wenn wir auch heutegern erklären, dass wir uns in den meisten Punkten den Ansichtendes Vertreters derjenigen Auffassung, die man als skeptische be-zeichnen könnte, nähern, wenn nicht anschliessen. Für uns gibt
*) Rüth, Geschichte der abendländischen Philosophie. Bd. II. *) Zeller I.