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man die Folgerung gezogen, dass Augaben, die sich selbst als red-nerische Erfindung geben, nicht den geringsten Werth haben. DieseFolgerung ist aber nur da richtig, wo es um rednerische Erfindungsich überhaupt handeln kann. Hätte also Busiris, dem Isokrates lobendnachlügt, er sei der Urheber der ganzen ägyptischen Kultur gewesen,wirklich gelebt, wrir würden doch von jenem Lohe Nichts halten.Sind wir desslialb berechtigt, auch von der ägyptischen Kultur Nichtszu halten, Nichts von den ägyptischen Priestern als Trägern dieserKultur? Das wünscht wohl der Zweifelsüchtigste nicht. Und wenn dieallgemein anerkannte Thatsache ägyptischer hoher Bildung nur den un-wahren Zwecken des Isokrates mittelbar dienen soll, so hat es für ihnauch nur mittelbare Bedeutung, wenn er jener Thatsache eine Stützegibt, wenn er sich darauf beruft, Pythagoras sei Schüler dieser hoch-gebildeten Priester gewesen. Der falsche Satz: Busiris sei der Urheberaller Bildung, wird dadurch in keiner Weise walu, wenn die Bil-dung vorhanden war, wenn sie auf fremde • Persönlichkeiten sichübertrug. Ueberdies bedurfte Isokrates zu diesem letzteren Er-weise keiner Unwahrheit. Er konnte auf die Reisen, auf die Be-richte anderer Männer sich beziehen, eines Thaies, eines Herodot,eines Demokritos. Wenn er es vorzog, statt ihrer nur Pythagoras zu nennen, so wird man das dadurch erklären müssen, dass das An-sehen, in welchem Pythagoras schon zur Zeit des isokrates stand,doch ein anderes war, als das der eben genannten wenn auch berühmtenPersönlichkeiten. Isokrates, wir können es nur immer stärker be-tonen, log nicht um zu lügen, er log nur in den Lobsprüchen, dieer seinem um jeden Preis zu erhebenden Helden zollte, und die er-fundenen Verdienste des Busiris konnten eine gewisse Scheinbark eit,auf deren Erlangung es bei dem rednerischen Kunststückchen allein an-kam, nur dann gewinnen, wenn alles Beiwerk der Wahrheit entsprach,wenn nicht auch nebensächliche Dinge den Hörer sofort kopfscheumachten. Wir zweifeln daher keinen Augenblick, dass der Aufenthalt desPythagoras in Aegypten , dass der Unterricht, welchen er bei den dortigenPriestern genoss, zu den Dingen gehört, die landläufige Wahrheitwaren, als Isokrates sie aussprach, die Niemand neu, Niemand ab-sonderlich oder gar unwahrscheinlich vorkamen.’)
Der Aufenthalt des Pythagoras in Aegypten , den wir jetzt schonfür durchaus gesichert halten, wird weiter durch eine Menge andererSchriftsteller behauptet. Freilich sind es Schriftsteller, die ins-gesammt später, theilweise viel später als Isokrates gelebt haben.
') Chaignet pag. 43 hält die ägyptische Reise auch für erwiesen, lässtsich aber auf eine Vertheidigung des Ausspruches des Isokrates, wie wir sie ge-liefert haben. nichtein. Dagegen sind bei ihm die Citate anderer Schriftsteller,welche über jene Reise berichten, in grosser Vollständigkeit gesammelt.