Dinge, welche, freilich anders ausgesprochen, noch Streitfragen unsererGegenwart bilden.
Kapitel IX.
* Mathematiker ausserhalb der pythagoreischen Schule.Ilippokrates von Chios .
Den Mathematikern scheint nächst dem Irrationalen bei Gelegen-heit der Kreisquadratur der erste Anlass geboten worden zu sein,Fragen des stetigen Ueberganges zu behandeln, und dieses führtuns zurück zu dem Mathematikerverzeichnisse, welches mit denWorten fortfährt:
„Nach diesen wurde Ilippokrates von Chios , der die Quadraturdes Mondes fand, und Theodorus von Kyreue in der Geometrie be-rühmt. Unter den hier Genannten hat zuerst Ilippokrates Elemente— 0toi%{Icc — geschrieben.“
Von dejn Leben des Ilippokrates von Chios sind uns nurwenige Züge bekannt. 1 ) Ursprünglich Kaufmann kam er durch einenunglücklichen Zufall um sein Vermögen. Die Einen erzählen, dieZolleinnehmer von Byzanz, gegen welche er sich leichtgläubig er-wies, hätten ihn darum geprellt, die Anderen lassen ihn durch See-räuber geplündert worden 'sein. Man hat beide Angaben so zu ver-einigen gesucht, dass man muthmasste, athenische Seeräuber hättenaus Veranlassung eines Krieges gegen Byzanz das Schiff des Hippo.krates weggenommeu. Jener Krieg sei der sogenannte SamischeKrieg um das Jahr 440 gewesen, an welchem tliatsächlich die Byzan-tiner gegen die Athener theilnahmen, und um diese Zeit sei alsoIlippokrates nach Athen gekommen. Ohne die Möglichkeit in Ab-rede zu stellen, dass es sich so verhalten haben könne, bedürfen wirjedoch dieser Yermuthung nicht um die wichtigste Folgerung zuziehen, welche sie für uns enthält, nämlich den Aufenthalt des llippo-krates in Athen zu begründen und zeitlich zu bestimmen. Die unge-fähre Lebenszeit des Ilippokrates geht schon aus seiner Stellunginnerhalb des Mathematikerverzeichnisses hervor, sein Aufenthalt inAthen , der Stadt, welche grade damals mit Recht begann als ersteStadt Griechenlands zu gelten, hat eine besondere Veranlassung nichtnothweudig gehabt. Jedenfalls war Ilippokrates von Chios in derzweiten Hälfte des V. S. in Athen und kam dort mit Pythagoräern,-d. li. offenbar mit versprengten Mitgliedern der italischen Schule zu--