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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel X.

trieben haben dürften. Bei der Beschreibung der alten Priesterstadtileliopolis in Aegypten sagt nämlich dieser geographische Schrift-steller: Hier nun zeigt man die Häuser der Priester und auch dieWohnungen des Platon und Eudoxus. Denn Letzterer kam mit Platon hierher, und sie lebten daselbst mit den Priestern dreizehn Jahre zu-sammen, wie Einige angeben.') Dann wird ein grosses Gewicht aufeinen Aufenthalt Platons in Grossgriechenland zu legen sein, wo ermit Archytas von Tarent und mit Timäus von Lokri im eng-sten Verkehre stand. 2 ) Weiter führte ihn sein Weg nach Sicilien,wo er im 40. Lebensjahre, also im Jahre 389 eintraf. 3 ) Diese durchihn selbst bezeugte Zeitangabe nöthigt uns auf alle Reisen bis nachSicilien etwa 11 Jahre zu vertheilen und widerlegt somit die 13 jährigeDauer des Aufenthalts in Aegypten . Platons Freimüthigkeit scheintbei dem Gewaltherrn von Syrakus , bei Dionysius, Anstoss erregt zuhaben, so dass dieser ihn gefangen nehmen Hess und ihn als Athener dem lakedämonischen Abgesandten auslieferte, welcher ihn als Sklavennach Aegina verkaufte. Ein Kyrenaiker zahlte das erforderliche Löse-geld, um Platon wieder frei zu machen, und nun kehrte dieser nachAthen zurück, wo er in den schattigen Spaziergängen der durch Kimon einst verschönerten Akademie nordwestlich vor der Stadt seine diePhilosophie umgestaltenden Vorträge hielt, deren Bedeutung auchfür die Geschichte der Mathematik nicht hoch genug angeschlagenwerden kann. 4 )

Eigentlich mathematische Schriften hat Platon zwar nicht ver-fasst, aber Einiges wird doch auf ihn als Entdecker zurückgeführt,und vielleicht noch wichtiger ist seine Vorliebe für die Mathematikdadurch geworden, dass er auf fähige Schüler sie forterbte. Platon war ja ein Schüler der Pythagoräer in vielen Dingen, in so vielen,dass Aristoteles es ausdrücklich bezeugt hat 5 ), dass Asklepius zu dieserStelle der aristotelischen Metaphysik jedenfalls übertreibend liinzu-Higte: nicht A r ieles, Alles habe Platon von den Pythagoräern ent-nommen. Wie nun die Pythagoräer Mathematik als den ersten Gegen-stand eines wirklich wissenschaftlichen Unterrichts betrachteten, wiedie Aegypter ihre Kinder zugleich mit den Buchstaben in den An-faugsgründen der Lehre von den Zahlen, von den auszumessendenRäumen und von dem Umlaufe der Gestirne unterrichteten, so wollteauch Platon verfahren haben.'’) Kein Unkundiger der Geometrie trete

') Strabo XVII, 1 ed. Mcinicke pag. 1124. 2 ) Cicero , De finibus V,19, 50. Tusculan. I, 17, 39. De republica I, 10, 15. 3 ) Platons 1 »riefe:

Kpistola VII, 324, a. ’) Ueber Platon in seinen Beziehungen zur Mathematikvergl. C. Blass, De Viatone mathcmatico. Bonn , 1861 und B. ltothlauf, DieMathematik zu Platons Zeiten und seine Beziehungen zu ihr. München , 1878.: ) Aristoteles, Metaphys . I, 6. 6 ) Die bezüglichen Stellen aus Platons

Staat vergl. bei ltothlauf 1. c. S. 12.