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Kapitel XVI11.
kommt die sichere Unechtheit mancher Stücke. Ein alle Spuren desVerfalles der Literatur au sich tragendes Griechisch, Maasse einesspäten Zeitalters, Erwähnungen von Schriftstellern, die wie Mo-destus und Patrikius am Ende des IV. S. n. Ohr. gelebthaben, können unmöglich dem Herou von Alexandria um 100 v.Chr. angehören.
Man hat neuerdings die Lösung aller dieser Schwierigkeitendarin zu finden sich geeinigt, dass man die Schriften des Heron imGrossen und Ganzen als echt in unserm Sinne, d. h. als dem frühersogenannten älteren Heron aus dem Jahre 100 v. Chr. angehörigerkennt, dass man aber an nimmt, diese Schriften seien wesentlichverderbt worden. Sie seien, behauptet man, ungemein verbreitet, inzahllosen Abschriften und Auszügen vorhanden gewesen. Nun habebald dieser, bald jener Aufertiger später Exemplare Randbemerkungender mannigfachsten Art, wie sie seiner Lebenszeit angemessen schienen,beigefügt, und noch spätere unwissende Abschreiber haben baldsolche Randbemerkungen in den Text herübergezogen, bald ihnenunverständlich gewordene Stellen weggelassen. So sei die gegen-wärtige Gestalt der Schriften Ilerons entstanden. Man sei berechtigtalle als echt, wie alle als unecht zu bezeichnen, als echt dem Ur-sprünge nach, als unecht vermöge ihrer keineswegs unbedeutendenVerschlimmbesserungen.
Die Schriften Ilerons sind tlreils physikalischen, tlreils mathe-matischen Inhaltes. Wenn wir uns auch der Erörterung jener erstenGruppe, so weit nicht Mathematisches iir ihnen zur Rede kommt,hier grundsätzlich enthalten, so können wir doch nicht umhin aufeine schriftstellerische Eigenthütnliclrkeit Herons hinzuweisen, welchein ihnen vorzüglich zu Tage tritt, und auch in den Schriften, welcheunsere Auseinandersetzung fordern, sich nicht verleugnet. Heronbegnügt sich niemals mit bloss theoretischen Erörterungen. Er schreitetvon der wissenschaftlichen Grundlage aus zur Anwendung, und zwarmeistens zu einer doppelten Anwendung: neben dem Nutzen für diemenschliche Gesellschaft erscheint auch das Vergnügen des Einzelnenihm werth die Fürsorge des Gelehrten in Anspruch zu nehmen.
An der Grenze zwischen Physik und Mathematik liegen die strengmechanischen Schriften, welche Heron von Alexandria verfasst hat.Ein Werk über die Mechanik wird uns genannt, ein zweites, derGewichtezieher, welches die von Archimed gestellte Aufgabe zulösen sucht, eine gegebene Last mittels einer gegebenen Kraft inRewegung zu setzen. Von beiden sind bei Pappus ziemlich umfang-reiche Ueberreste erkannt worden, welche indessen wenig Gelegenheitfür uns bieten, Bemerkungen daran zu knüpfen.
Ein Buch über angewandte Mechanik ist es, welches uns zuerst denGeometer Heron von achtunggebietender Seite kennen lehren wird. Er