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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel XVIII.

richtungen hatte man z. B. den sogenannten Stern, und deren Ge-brauch muss, wir wiederholen es, eine ältere mündlich oder schriftlichüberlieferte Feldmesskunst gelehrt haben. Der letzte geodätischeSchriftsteller blieb Heron allerdings für lange Zeit. Euklid undlleron waren nachgrade ihrer Persönlichkeit beinahe entkleidet worden.Sie waren Titel von Schulbüchern geworden, welche auch zu Völkern,drangen, die in anderen Sprachen als in der griechischen dachtenund redeten. Mochten in diesen „Euklid “ der Theoretiker, in diesen„Heron“ der Praktiker Dinge eingedrungen sein, an welche derlebende Euklid, der lebende Heron nie gedacht hatte, für die Nach-kommen blieb es der „Euklid, “ der „Heron.“ Ja, es ist gar nichtunmöglich, dass bei derartigem neben einander hergehenden Gebraucheaus dem „Euklid “ dieses oder jenes, z. B. Definitionen, in den„Heron“ überging; auch das Entgegengesetzte wäre möglich, wennes gleich an Beispielen dafür uns fehlt, aber die heronische Dreiecks-formel etwa hätte ganz gut in eine Handschrift des Euklid sammtihrem Beweise eindringen können.

Gehen wir nun zur Feldmesskunst des lleron über, wie siein der Abhandlung über die Dioptra 1 ) beschrieben ist, und beginnenwir mit der Schilderung der Dioptra selbst. Sie bestand aus einem4 Ellen langen Lineal, welches an beiden Enden Plättchen zumHindurclivisiren oder, wie man heute sagt, Dioptervorrichtungen trug.Sie ruhte auf einer kreisrunden Scheibe, auf welcher sie in Drehungversetzt werden konnte, und eine vertikale Drehung war mit derScheibe auf einem die ganze Vorrichtung tragenden Fusse ermöglicht.Wir dürfen in der Dioptra den Keim des Theodolitheu der neuerenFeldmesskunst erkennen. Sie diente zum Abstecken von Geraden inden mannigfachsten Richtungen, wenn auch eine Winkelmessungauf dem Felde nicht stattfand. Um eine Senkrechte zu einer ge-gebenen Richtung sich zu verschaffen dienten zwei kleine Zäpfchenauf der Dioptrasclieibe, bis zu welchen die Dioptra gedreht werdenmusste, um einen rechten Winkel zu erhalten. Den oben erwähntenvorheronischen Stern bildeten zwei in horizontaler Ebene sich recht-winklig schneidende Lineale, also eine Art von Winkelkreuz. DieVorrichtung zum Hindurclivisiren aber fehlte, und ebenso fehltenverschiedene Hilfsapparate, die mit der Dioptra in Verbindung standen.Bei ihr war die vertikale Stellung des Fusses verbürgt durch einenherabhängenden Bleisenkel, welcher längs einer auf dem Fusseeingeritzten Geraden seinen Verlauf nehmen musste. Die Horizon-

') "Hqcovo g ’ AXe^avöqicog hsqI diönrQag abgedruckt mit französischerUebersetzung von Vincent, mit den Anmerkungen von Venturi und Vin-cent in den Notices et extraits des mcmuscrits de la bibliotheque impertaleXIX, 2 (Paris , 1858).