343
kunst- und Feldmess Wissenschaft, wenn ersteres Wort uns dieLehre von den eigentlichen feldinesserischen Operationen, letzteres dievon den anzuwendenden Formeln bedeuten soll. Er ist uns aberauch der Vertreter einer entwickelten Rechenkunst bis zur Aus-ziehung von Quadratwurzeln, der Vertreter einer eigentlichen Algebra,soweit von einer solchen ohne Anwendung symbolischer Zeichen dieRede sein kann, bis zur Auflösung unreiner quadratischen Gleichungeneinschliesslich.
Kapitel XX.
(leomctrie mul Trigonomelrie bis zu Ptolemäus .
Kurze Zeit nach der Bliithe des hervorragenden Geodäten, mitwelchem wir uns in zwei Kapiteln beschäftigt haben, lebte -wahr-scheinlich Geminus von Rhodos . Er schrieb eine Einleitung indie Astronomie, slgayayt] sig zä epcuvöiitva, welche zwar erhaltenist,') aber um ihres eigentlichen Inhaltes willen uns nicht weiter be-schäftigen darf, als dass wir bemerken, dass darin eine gute Dar-stellung der Sonnentheorie des Ilipparch sich findet, 2 ) allerdings ohnedass der Name ihres Urhebers dabei genannt wäre. Ausserdem ver-fasste er ein leider verlorenes mathematisches Werk von fast unbe-kanntem Titel und Inhalte. Unser Bedauern über den Verlust gründetsich auf etwa 16 Stellen, in welchen Proklus in seinem Commentarezu den euklidischen Elementen aus Geminus geschöpft hat, aufandere, die bei Eutokius sich erhalten haben, und deren zum Theilireschichtlich werthvollen Inhalt wir verschiedentlich zu benutzen
o
Gelegenheit fanden. Ein eigentlich mathematisch-historisches Werk hatfreilich Geminus gewiss nicht geschrieben, wenn man auch früherdieser Annahme zuneigte. 3 ) Das ist aus dem Mathematikerverzeich-nisse bei Proklus gefolgert worden. J ) Wenn Proklus dort erklärt,die Schriftsteller über Geschichte der Mathematik hätten die Ent-wicklung bis dahin, d. h. bis kurz vor Euklid geschildert, wenn erdann in demselben Commentare aus Geminus Auszüge gibt, welchefür die Zeitbestimmung des Nikomedes, des Diokles, des Perseus ver-werthbar waren, so ist eben das Werk des Geminus eine Geschichtenicht gewesen. Auch die nähere Prüfung der Notizen aus Geminusselbst würde zu der gleichen Schlussfolgerung führen. Sie sind ge-wiss nicht von der Art, wie man sie in einem Geschichtswerke suchenwürde, sie haben ihre Bedeutsamkeit für historische Zwecke nur da-
*) Dieses Werk ist mehrfach gedruckt, z. B. mit französischer Uebersetzungvon Halma in dessen Ausgabe des Ptolemäus hinter dem Kanon desselben.Paris , 1819. *) Wolf, Geschichte der Astronomie S. 201. 3 ) Montucla,
Ilistoire des Mathematiques I , 266. 4 ) NesselmanD, Algebra der Griechen 6.