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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel XXI.

Alexandria war der Ort, wo Helenenthum, wo Aegyptisches, woaber auch Asiatisches sich begegneten. Assyrier, Inder, Hebräertrafen dort ein, ihre ältere oder jüngere Bildung mit sich bringend,austauschend, ergänzend. Was bei einem solchen Zusammenströmet)Weitgereister einzutreffen pflegt, fehlte auch hier nicht. Der Wissens-durst schöpfte mit nothwendigem Eklekticismusse bald da, bald dort;das Wunderbarste übte die grösste Anziehung; man fühlte sich ver-sucht selbst nach jenen Gegenden, dem Schauplatze mährchenhafterErzählungen, aufzubrechen; man gewann aber auch neues Interesseau Solchen, die ehedem gleiche Reisen ausgeführt hatten, denen manzu den wirklich erlebten Abenteuern neue hinzudichtete. Die Phan-tasie gewann das Uebergewicht über den nüchtern denkenden Ver-stand. Die Dialektik des Aristoteles entsprach den Neigungen nichtmehr in dem Maasse wie Platons die Einbildungskraft anregendeund voraussetzende Schriften. Platon als Schriftsteller, Pythagoras als Persönlichkeit zu verehren wurde allgemeiner und allgemeiner.Ein gewisser mystischer Pythagoräismus, von Wissenschaft freilichweit entfernt, war nie gänzlich verschollen. Er erholte sich zu neuem,kräftigem Leben. Die neue Akademie bildete sich heran, dieNeupythagoräer entstanden. Sie studirten, sie erläuterten Platon im pythagoräischen Sinne, so weit derselbe zu ermitteln war.

So kamen selbstverständlich auch diejenigen mathematischenForschungen wieder in eifrigere Hebung, welche schon vorher vor-handen gegen die Geometrie zurückgetreten waren, wenn auch einVerschwinden derselben nicht behauptet werden kann. Die pytha-goräische Arithmetik wurde jetzt Mode in dem Sinne, wie wir diesesWort schon einmal (S. 222) gebraucht haben. Männer wie Nikomachus,wie Theon standen auf.

Nikomachus w T ar in Gerasa zu Hause, einem Orte, der wahr-scheinlich in Arabien zu suchen ist.') Er nennt in einer musika-lischen Abhandlung Thrasyllus, womit jedenfalls der unter derRegierung des Tiberius lebende Platoniker aus Mende gemeint ist,er kann also nicht früher als etwa 30 n. Chr. geschrieben haben. Ihnübersetzte Appuleius von Madaura unter den Antoninen ins latei-nische, 2 ) und damit ist als untere Grenze das Jahr 150 etwa ge-wonnen. Gemeiniglich setzt man Nikomachus von Gerasa auf einenmittleren Zeitpunkt zwischen diese Grenzen, um das Jahr 100 n. Chr.,denkt ihn also etwa als Zeitgenossen des Menelaus von Alexandria .

Nikomachus war als Pythagoräer bekannt 3 ), als Arithmetiker be-

') Die Stellen, welche diese Annahme unterstützen vergl. bei Nesselmann,Die Algebra der Griechen S. 189, Note 33. 2 ) So berichtet Cassiodorius. Die

Uebersetzung selbst ist verloren. p Pappus III, 18 (ed. Hultsch) pag. 84N ntdua^os 6 Tlvfrayoeixos.