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Kapitel XXI.
denen wir nachher besondere Aufmerksamkeit schenken wollen. Daranknüpfen sich Kapitel über die Tonzahlen untermischt mit weitläufigausgesponnenen zahlensymbolischen Tüfteleien, die auch schon in derersten Abtheilung spukten, untermischt mit Erörterungen über dieverschiedenen Proportionen. In kurzen kaum mehr als einige Wort-erklärungen bietenden Abschnitten ist von Geometrie und vonStereometrie die Rede. 1 ) Weitaus am Ausführlichsten ist alsdann dieAstronomie behandelt, vielleicht in diesem mangelnden Ebenmaasseder Ansicht förderlich, dass Theon von Smyrna voi’zugsweise Astro-nom, mithin der von Ptolemäus genannte Beobachter war. Die Schluss-worte heissen: „Das sind die uothwendigsten Dinge und vorzugs-zugsweise aus der Astronomie zur Kenntnissnahme platonischerSchriften. Da wir aber sagten, die Musik und Harmonie sei theilsan Instrumenten, theils an Zahlen, theils am Weltall, und dass wirüber die Musik der Welten das Nothwendige nach der Astronomieangeben würden — denn auch Platon sagt, sie sei die fünfte Wissen-schaft nach Arithmetik, Geometrie, Stereometrie, Astronomie — so istauch darüber mitzutheilen, was hauptsächlich Tlirasyllus zeigte zu-gleich mit dem, was wir früher selbst ausgearbeitet haben.“ DieseSätze machen auf uns den Eindruck, als wenn sie einem Werke,nicht bloss einem Abschnitte als Schluss gedient hätten, als ob Theondie zuletzt versprochene w'eltharmonische Erörterung sich Vorbehaltenhätte. Mag dem nun sein wie da wolle, wesentliche Lücken zwi-schen dem Erhaltenen können wir uns unter keinen Umständen ent-schliessen anzunehmen; höchstens könnten wir uns dazu verstehenan eine Umstellung mancher Kapitel zu glauben, da es eigenthümlichsich ausnimmt wie Theon verschiedentlich auf früher Besprocheneszurückkommt, ohne dass eine künstlerische Anordnung des Werkesdie Wiederholung erforderte. Vielleicht sind solche Mängel auch dergeringeren Befähigung Theons anzurechnen. Theon war beiWeitem kein Nikomachus! Seiher Zusammenstellung fehlt nachForm und Inhalt die Folgerichtigkeit. Erwähnen wir ein Beispiel,welches geschichtlichen Werth besitzt.
„Die Einheit ist nicht Zahl, sondern Anfang der Zahl“ sagtTheon 2 ) den pythagoräischen Gedanken deutlicher als irgend einanderer Grieche aussprechend; das hindert ihn aber nicht 1 neben3, 5 ... als ungrade Zahl 3 ) oder mit nachfolgenden 2, 3, 4 . . . inder natürlichen Zahlenreihe auftreten zu lassen. J )
Es fällt uns nach dieser nicht sehr hohen Meinung, welche wir
') Theon Smyrnaeus (ed. Hiller) pag. 111, lin. 14 — pag. 113, lin. 8und pag. 117, lin. 12 — pag. 118 , lin. 3. Die erstere Stelle enthält plani-
metrische und stereometrisehe Definitionen, die letztere die geometrische Con-struction eines geometrischen Mittels. 2 ) Theon (ed. Hiller) pag. 24, lin. 23.
3 ) Theon pag. 28, 5 und 32, 11. J ) Theon pag. 33, 4.