Sextus Julius Africanus. Pappus von Alexandria . 375
zur Zeit, als auch der Philosoph Theon iu seiner Blüthe stand, welcherüber den Kanon des Ptolemäus schrieb Die Werke des Pappus seieneine Erdbeschreibung, ein Commentar zu den 4 Büchern der grossenZusammenstellung des Ptolemäus, ferner über' die libyschen Flüsseund über Traumdeutung. Auch diese Angabe ist von bestimmtesterKlarheit. Theon hat, wie wir aus seinem chronologischen Werkeselbst entnehmen, jedenfalls 372 noch gelebt; Theodosius I. regierte379—395; diese Zahlen stimmen zu einander, und folglich wärePappus wie Theon an das Ende des IV. S. zu setzen, was auch alleGeschichtswerke der Mathematik ohne Anstand gethan haben. Wennwir gleiclrwohl der Meinung folgen, welche den älteren Zeitpunktfür Pappus als zutreffend erachtet, so leitet uns folgender Gedanke.Bei zwei einen Widerspruch enthaltenden gleichzeitigen Angabenmüssen wir eiuestheils uns fragen, ob und wie ein Irrthum des einen,beziehungsw r eise des anderen Gewährsmannes Erklärung finden kann,müssen wir anderntheils überlegen, ob innere Gründe die eine oderdie andere Meinung unterstützen. Die Behauptung des Schreibersdes leidner Codex ist nun, wenn falsch, auf keine Weise zu verstehen.Suidas könnte dagegen dadurch zu seinem Irrthume gelangt sein, 1 )dass in seiner Quelle die beiden Schriftsteller Pappus und Theon vonAlexandria ihrer Heimath, ihrer verwandten literarischen Thätigkeitwegen unmittelbar hinter einander aufgeführt waren, oder aber da-durch, dass er einen aus den Erläuterungen des Pappus und des Theongemischt zusammengesetzten Commentar zum Almageste vor Augenhatte, eine Möglichkeit, die im 24. Kapitel sich uns ergeben w r ird,und dass er nun auf eine gar nicht angegebene, weil überhaupt nichtvorhandene Gleichzeitigkeit der beiden Erklärer schloss. Als unter-stützend dienen folgende Gesichtspunkte. Suidas war mit des PappusWerken nicht aufs Beste bekannt. Er nennt unter denselben garnicht dasjenige, welches allein in einiger Vollständigkeit sich erhaltenhat, und welches genügt um unsere Bewunderung des Verfassers zurechtfertigen. Der andere Berichterstatter ist in seinem Schweigenentschuldigt, weil er gar kein Werk des Pappus mit Namen anführt.Ferner w’äre es sehr auffallend, w r enn Pappus und Theon an demgleichen Orte lebend zur selben Zeit einen Commentar zu demselbenWerke, dem Almageste des Ptolemäus, geschrieben hätten. Weitwahrscheinlicher wird diese Thatsache, wenn Pappus hundert Jahrevor Theon von Alexandria schrieb. Fraglich erscheint dabei, obPappus den ganzen Almagest erklärt haben mag, oder nur 4 Bücher.Die Vermuthung, es habe bei Suidas ursprünglich IT= 13 Büchergeheissen, der wirklichen Bücherzahl des Almagestes entsprechend,
') Diese Hypothese rührt von Usener her. Neues Rheinisches Museum1873, Bd. XXVIII, S. 403.