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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Kapitel XXIII.

schon Ptolemäus, der strenge Forscher, nicht frei war; ihrem Ur-sprünge nachgehend könnte mau möglicherweise zu auch anderwärtsverwerthbaren Ergebnissen gelangen. Von Geometrischem, wasPorphyrius geschrieben, ist uns nur Weniges in des Proklus Cornmen-tare zu dem ersten Buche der euklidischen Elemente erhalten *) unddieses Wenige ist nicht von solcher Bedeutung, dass wir dabei zuverweilen hätten.

Zwei Schüler des Porphyrius werden als bedeutendste genannt.Der ältere, ein gewisser Anatolius, scheint häufig aber mit Unrechtmit dem Peripatetiker gleichen Namens verwechselt worden zu sein,welcher seit 270 Bischof von Laodicea war. Der NeuplatonikerAnatolius , von welchem mancherlei mystisch-arithmetische Bruchstückean verschiedenen Orten sich erhalten haben, dürfte gar nicht Christgewesen sein. Ausserdem muss er eine philosophische Lehrthätigkeitzu einer Zeit noch ausgeübt haben, als jener andere Anatolius durchdie Pflichten seines bischöflichen Amtes vollauf in Anspruch ge-nommen war, wenn er überhaupt noch lebte. Sein Schüler und erstspäter Schüler des ihnen somit gemeinsamen Lehrers Porphyrius , warnämlich der zweite, den wir zu nennen haben: Jamblichus .

Jambliclius ist aus reicher und angesehener Familie zu Chalcis in Cölesyrien geboren, also Vorderasiate, wie wir oben bemerkten.Er folgte wahrscheinlich in Rom dem Unterrichte des Anatolius unddes Porphyrius , als dieser aus Sicilien wieder zurückgekehrt war.Später verlegte Jamblichus seinen Aufenthalt in seine syrischeHeimath, wo er selbst schulebildend auftrat. So sehr seine Anhängerihn verehrten, — den Göttlichen nannte ihn die Schule — sosind doch die Angaben über seine Lebenszeit von Widersprüchen be-haftet. 2 ) An und für sich könnte es ja richtig sein, dass er am Endedes III. S. in Rom zu den Füssen des Porphyrius sass, dass erwährend der Regierung Constantin des Grossen (306—337) wirkte,dass noch Kaiser Julianus Apostata (361—363) in Briefwechsel mitdem greisen Philosophen stand. Wie aber will man dann begreiflichmachen, das Kaiser Constantin den Sopater, einen Schüler des Jamb-lichus , der erst nach des Lehrers Tode an den Kaiserhof kam, hiu-richten liess, wie damit wieder in Einklang bringen, dass KaiserJulianus in einem seiner Briefe von Sopater als einem damals nochlebenden Schüler des Jamblichus redet? Soll man wirklich den Toddes Jamblichus etwa auf.330 setzen, die Briefe des Julian an Jamb-lichus für untergeschoben erklären? Wir verzichten auf die Ent-scheidung dieser Fragen, welche eine grosse Wichtigkeit für uns

•) Die betreffenden Stellen sind mit Hilfe des Namensverzeichnisses derFriedlein'schen Proklusausgabe leicht aufzufinden. 2 ) Zeller III, 2, 613, An-merkung 2.