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Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
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Die griechische Mathematik in ihrer Entartung.

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als sie beweist, dass auch Ptolemäus schon von dem durch Theongelehrten Näherungsverfahren Gebrauch machte, während Archimedwie Heron andere Yerfahrungsweisen besessen haben müssen. Esmag wohl sein, dass je nach dem Umstande, ob man mit Sexagesi-malbrüchen rechnete oder nicht, ein Wechsel des Verfahrens eintrat,ein Wechsel, der seine leichte Begründung darin findet, dass beiSexagesimalbrüchen sofort und ein für allemal eine Grenze — etwadie des zweiten Sechzigstels — festgesetzt werden konnte, bis zuwelcher man die Annäherung treiben wollte, während in gewöhn-lichen Brüchen eine solche Grenze sich weder von selbst darbot,noch auch ihre Erreichung im Augenblicke bekannt werden konnte,mithin eine andere Methode leicht als vorzuziehende sich erwies.

Theons Tochter Hypatia') war, wie Suidas angibt, selbst eineGelehrte von umfassendem Wissen. Die Angabe eben desselben, siesei die Gattin des Philosophen Isidorus gewesen, ist vermuthlichirrthüniliehe Einschiebung eines späten Glossators. Hypatia warvielmehr stets unverheirathet. Bichtig ist wieder die Zeitbestimmungdes Suidas, sie habe ihre ßliithezeit unter der Regierung des Arkadius gehabt. Ihr Tod erfolgte unter des Arkadius Nachfolger im März 415in tragischster Weise. Die Philosophenschulen hatten sich, auchnachdem das Cliristenthuip die Religion der römischen Kaiser ge-worden war, der neuen Lehre keineswegs in dem Maasse angeschlossenwie die sonstige Bevölkerung. Der Schutz, den Kaiser JulianusApostata insbesondere ihnen gewährt hatte, wirkte noch Jahrzehntenach seinem Tode fort und liess die Heidin Hypatia in Ansehenselbst bei einem christlichen Bischöfe von Ptolemais, wie Synesius,und bei dem kaiserlichen Präfecten Orestes in Alexandria stehen,ohne dass eine besonders auffallende Erscheinung darin zu suchenwäre. Aber grade das Ansehen, in welchem sie bei Orestes stand,wurde ihr Verderben. Der Präfeet wies hierarchische Ansprüchedes Bischofs Cyrillus zurück. Hypatias Einfluss wurde als Ursacheverdächtigt, und der fanatische Pöbel der Stadt zerriss die Unglück-liche. War es doch derselbe Pöbel, der 392 schon in dem Zer-störnngstaumel religiöser Wutli ein Verbrechen begangen hatte,welches die Wissenschaft noch heute schwer empfindet. Theodosius der Grosse erliess in dem genannten Jahre den Befehl zur Vernichtungder heidnischen Tempel, und dieser Befehl wurde von der plünderungs-süchtigen Horde so genau ausgeführt, dass auch der Serapistempel,die zweite alexandrinische Bibliothek, wie wir uns erinnern (S. 361),von Grund auf mit zerstört wurde. Von da an gibt es eine Univer-salbibliothek des Alterthums nicht mehr. Von da an beginnt die

’) K. Hoche, llypatia, die Tochter Theons, in der Zeitschrift: Philologus(1860) XV, 435-474.