Band 
Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
Entstehung
Seite
426
JPEG-Download
 

426

Kapitel XXIV.

sei es dass dieser Dialog von Platon oder von einem Anderen her-riihre, spricht von Parmenides dein Grossen, und Damascius, von demwir gleich noch zu reden haben, gleichfalls von Parmenides demGrossen, aber auch von Isidorus dem Grossen. Den Grund oderUngrund dieser Auszeichnung zu prüfen haben wir nicht Veranlassung.Mathematische Schriften des Isidorus kennen wir nicht, wenn auchdem Geiste der neuplatonischen Schule nach nicht zu zweifeln ist,dass er gleich allen anderen Schulhäuptern solche von höherem odervermuthlich von geringerem Werthe verfasst haben wird.

Der Schüler und, wie wir schon sahen, der jedenfalls dankbarbegeisterte Schüler des Isidorus war Damascius von Damaskus ,der etwa um das Jahr 510 die Schulvorstandschaft in Athen übernahm,nachdem Isidorus, missmuthig und verstimmt darüber seine Kräfteeiner verlorenen Sache zu widmen, sich nach Alexandria zurück-gezogen hatte. Damascius soll, nach einer scharfsinnigen Vermuthung,der Verfasser des sogenannten XV. Buches der euklidischen Elementesein, welches man sonst auch als II. Buch des Ilypsikles über dieregelmässigen Körper zu bezeichnen pflegte. Wir haben (S. 309 — 310)dieses Buch mit dem I. Buche des Hypsikles verglichen und sind zu demErgebnisse gekommen, das II. Buch sei viel unbedeutender als das I., mitwelchem es nicht Zusammenhänge. Im 7. Satze dieses Buches sprichtnun der Verfasser von seinem grossen Lehrer Isidorus, 1 ) und dieserAusdruck gab eben die Veranlassung die ihrer Sprache nach unbe-dingt ziemlich spät verfasste Abhandlung dem Damascius zuzuschreiben.Ein scharfer Beweis dürfte allerdings in dem einen Worte nicht zuAnden sein, und gäbe es, wie es den Anschein hat, Scholien zudiesem sogenannten XV. Buche des Euklid , die den gleichen Ursprungmit den sonstigen Scholien zu Euklid verrathen, die also auch vonProklus herrühren müssten, so wäre umgekehrt der Gegenbeweis gegendas Verfasserrecht des Damascius geliefert, und die Abhandlungmüsste von dem Schüler irgend eines anderen Isidorus herrühren,welcher zwischen dem IV. und V. S., weder viel früher noch keinen-falls später, gelebt haben möchte. Der Name Isidorus ist ohnediesNichts weniger als selten, und aus dem VI. S. selbst ist ein Bau-meister Isidorus von Milet berühmt, der in Gemeinschaft mitAnthemius von Tr alles im Aufträge des Kaisers Justiuian denPrachtbau der Sophienkirche in Ivoustantinopel herstellte.

Schüler dieses letzteren Isidorus war Eutokius von Askalon , dermithin etwa in der zweiten Hälfte des VI. S. die Commentare zuverschiedenen Schriften des Archimed und zu den Kegelschnitten desApollonius verfasste, eine Fundgrube für den Geschichtsforscher, aus

l’cpoque et l’auteur du prctendu XV. livre des clcments d’Kuclidc im BidlctinoBoncompagni 1874, pag 263—266. ‘) ’latdagos ö rgiiztQOs ptyag Siöday-ulog.