Die griechische Mathematik in ihrer Entartung. 427
der wir gleich unseren Vorgängern zahlreiche Aufschlüsse gewonnenhaben, aber mathematisch unbedeutend.
Wir kehren zu Damascius von Damaskus zurück. In ihm war 1 ),,uoch einmal ein Mann des schroffsten antiken Heidenthums" an dieSpitze der Schule getreten. Die Rückwirkung blieb nicht aus. Ge-sinnungsgenossen eilten noch einmal herbei, unter ihnen Simplicius ,der Erklärer aristotelischer Schriften, der neben Damascius lehrte.Aber auch die Feindschaft des gekrönten Theologen, der als Kaiser.lustinian 527 den Thron bestiegen hatte, war mit den Lehrern derSchule erworben. Schärfere und schärfere Verordnungen gegen dieBekenner jeder Gattung von Irrlehren folgten einander. Im Jahre529 erging endlich ein allgemeines Verbot dagegen, dass in Athen noch irgend Jemand l’hilosophie lehrte. Noch einige Jahre fristetendie letzten Lehrer der geschlossenen Hochschule auf dem Boden vonHellas ein kümmerliches Dasein, dann vollzogen sie eine freiwilligeSelbstverbannung nach dem Hofe des Perserkönigs Chosroe I.Nuschirwan.
Der Ruhm des „gerechten" Sassauiden hatte freilich die Wahr-heit übertroffen. Damascius und seine Freunde fanden eine weit ge-ringere Bildung der Hofkreise, gröbere Unsitte des Volkes als sievermuthet hatten, und als Chosroe 533 mit Justinian einen Friedenabschloss, der vorangegangenem dreissigjährigem Kriege ein Ziel setzte,und in den Vertrag die ungehinderte Rückkehr der athenischen Ge-lehrten mit aufuahm, war Niemand froher als diese die lleimathwieder zu sehen.
Die athenische Schule aber war und blieb dahin. Da und dorttauchen noch Schüler derselben auf, welche selbst neue Schülerbilden, Philosophen und Mathematiker, in letzterer Beziehung vonherzlich geringer Bedeutung. Dahin gehört vielleicht der vonEutokius erwähnte Heronas, welcher einen Commentar zumNikomachus geschrieben haben soll (S. 315); dahin mit Commentarenzu eben demselben Schriftsteller die beiden alexandrinischen GelehrtenAsklepius von Tr all es und dessen als Grammatiker vorzugsweiseberühmter Schüler Johannes Philoponus . Der Commentar desErsteren ist nur handschriftlich, der des Zweiten auch im Druckevorhanden 5 ), enthält aber kaum irgend bemerkeuswerthe Stellen.
Johannes Philoponus ist vielfach durch die von Abulpharagiusberichtete Geschichte bekannt, er sei es gewesen, der 640 bei derEinnahme Alexandrias durch die Araber für den Bestand der dortigen